Cerebras Systems bereitet seinen Börsengang an der Nasdaq im zweiten Quartal dieses Jahres vor, mit dem Ziel, 2 Milliarden US-Dollar einzunehmen, bei einer Bewertung zwischen 22 und 25 Milliarden US-Dollar.
Bei Erfolg wäre dies das erste reine KI-Chip-Alternativunternehmen, das seit der Etablierung des GPU-Monopols von Nvidia an die Börse geht.
Was verkauft es?
Die Kerntechnologie von Cerebras ist der Wafer Scale Engine 3 (WSE-3) – ein KI-Prozessor auf Wafer-Ebene.
Es geht nicht um Parameter, sondern um die physische Größe: Der WSE-3 belegt einen gesamten Silizium-Wafer und ist 56-mal größer als die größte GPU von Nvidia. Darin sind 900.000 KI-Rechenkerne und 4 Billionen Transistoren untergebracht.
Was ist der Sinn dieser Größe?
GPU-Cluster sind bei der Inferenz langsam, vor allem wegen der Zeit, die für die Datenübertragung zwischen den Chips benötigt wird – Sie haben 10 H100, aber diese 10 Chips müssen ständig Daten untereinander austauschen, was hohe Kommunikationskosten verursacht. Der WSE-3 löst dieses Problem grundlegend, die Inferenzgeschwindigkeit ist mehr als 20-mal schneller als bei GPU-Systemen, bei geringerem Stromverbrauch pro Recheneinheit.
Ist das Geschäftsmodell bereits erfolgreich?
Es gibt einen wegweisenden Vertrag: OpenAI hat mit Cerebras einen Vertrag über die Bereitstellung von Rechenleistung im Wert von über 10 Milliarden US-Dollar unterzeichnet und eine Cerebras-Inferenzinfrastruktur mit 750 Megawatt installiert – dies ist der weltweit größte Hochgeschwindigkeits-KI-Inferenzcluster. Die Inferenzgeschwindigkeit von OpenAI auf diesem System ist 15-mal schneller als zuvor mit GPUs.
Die im Februar 2026 abgeschlossene Serie-H-Finanzierung in Höhe von 1 Milliarde US-Dollar umfasste Investoren wie Tiger Global, Benchmark, AMD, Fidelity und andere, bei einer Bewertung von 23 Milliarden US-Dollar.
Weitere Kunden sind IBM, Meta und Mistral AI.
Der Börsengang verlief nicht ohne Hindernisse
Es ist nicht das erste Mal, dass Cerebras einen Börsengang vorbereitet.
Im Oktober 2025, nur wenige Tage nach der Ankündigung der Serie-G-Finanzierung in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar, zog das Unternehmen überraschend seinen IPO-Antrag zurück. Grund: Das CFIUS (Committee on Foreign Investment in the United States) prüfte die Investorenstruktur des Unternehmens, insbesondere die Beteiligung des UAE-Unternehmens G42 an Cerebras.
G42 ist eine führende Technologie-Investmentgesellschaft im Nahen Osten, arbeitet aber gleichzeitig eng mit chinesischen Technologieunternehmen zusammen – was aus Sicht der US-Regierung sensibel ist.
Die Lösung war nicht komplex, aber aufschlussreich: Die gesamte Beteiligung von G42 wurde in stimmrechtslose Aktien umgewandelt, sodass G42 aus der Unternehmensführung ausschied, aber seine finanziellen Rechte behielt. Das CFIUS gab grünes Licht, der Börsengang wurde fortgesetzt.
Diese Episode ist ein Sinnbild dafür, dass KI-Infrastruktur im Jahr 2026 nicht nur eine geschäftliche, sondern auch eine geopolitische Frage ist. Die Investorenstruktur eines US-amerikanischen KI-Chip-Unternehmens kann einen Börsengang um mehr als ein halbes Jahr verzögern.
Warum ist das bemerkenswert?
Das CUDA-Ökosystem von Nvidia ist nach wie vor die tiefste Barriere in der gesamten KI-Branche. Alle gängigen KI-Frameworks unterstützen standardmäßig CUDA, und die Trainings- und Inferenzinfrastruktur ist stark von H100/H200 abhängig.
Cerebras geht einen anderen Weg als Nvidia – es beabsichtigt nicht, auf derselben Spur zu konkurrieren, sondern sich in den beiden Dimensionen Inferenzgeschwindigkeit und Energieeffizienz zu differenzieren.
Nach dem Börsengang sind einige Fragen zu beobachten:
- Wie werden institutionelle Anleger es bewerten? Kann die private Bewertung von 23 Milliarden US-Dollar am öffentlichen Markt gehalten werden?
- Wie werden die Defizite im Trainingsbereich ausgeglichen? Cerebras hat klare Vorteile bei der Inferenz, aber der Schwerpunkt der Kapitalausgaben von KI-Unternehmen liegt weiterhin auf dem Training.
- Wird der 10-Milliarden-Dollar-Vertrag mit OpenAI zu einem Risiko übermäßiger Abhängigkeit von einem einzigen Kunden?
Das erste Unternehmen, das den "Nicht-CUDA-Weg" am öffentlichen Markt validiert, unabhängig vom Ergebnis, ist diese Geschichte allein schon eine Weile erzählenswert.
Quellenangabe: CocoLoop, Nvidia Rival Cerebras Raises $1 Billion in Funding at $23 Billion Valuation (Bloomberg); Cerebras Systems Raises $1 Billion Series H (Cerebras.ai press release); Cerebras Targets April AI Chip IPO to Raise $2 Billion (AI CERTs News); AI chipmaker Cerebras targets Q2 2026 for IPO launch (Seeking Alpha)