Claude Computer Use wird allgemein verfügbar, neues Browser-Tool kommt hinzu

Anthropic hat Computer Use, die Skills API und die Files API gleichzeitig in die allgemeine Verfügbarkeit überführt und Computer Use dabei um ein neues Browser-Tool erweitert. Alle drei Funktionen liefen zuvor im Beta-Status: Entwickler mussten beim Aufruf einen Beta-Header mitschicken, und auch Verfügbarkeit sowie Rate-Limits entsprachen dem Beta-Niveau.

An der Arbeitsweise von Computer Use ändert sich nichts: Das Modell bekommt einen Screenshot und klickt, tippt und scrollt wie ein Mensch vor der Tastatur. Die praktisch relevanteste Änderung ist die Möglichkeit, mehrere Aktionen in einer Runde auszuführen. Bisher lieferte ein API-Aufruf nur eine einzige Aktion zurück, selbst eine Mausbewegung brauchte einen eigenen Umlauf; jetzt lassen sich mehrere Schritte hintereinander in einer Runde absetzen, wodurch sich die Gesamtdauer einer Aufgabe entsprechend verkürzt. Gleichzeitig fällt Computer Use jetzt unter die BAA-Abdeckung und erfüllt HIPAA-Anforderungen, was die Compliance-Hürde für Anwendungen im Gesundheits- und Versicherungsbereich senkt.

Das Browser-Tool geht einen anderen Weg

Das neue Browser Use erweitert die Computersteuerung auf Webanwendungen, allerdings anders als beim Klicken auf Screenshots: Das Modell liest die Seitenstruktur und lokalisiert konkrete Elemente direkt, statt sich auf Pixelkoordinaten zu verlassen.

Der Unterschied zwischen beiden Ansätzen wird in Produktionsumgebungen deutlich verstärkt sichtbar. Ein auf Koordinaten basierendes Skript klickt daneben, sobald sich die Fenstergröße ändert, die Schriftdarstellung abweicht oder ein Cookie-Banner aufpoppt – und es scheitert dabei sehr leise: Das Modell glaubt, auf 'Absenden' geklickt zu haben, trifft in Wirklichkeit aber eine leere Fläche, und der gesamte Ablauf läuft mit einem Fehlerzustand einfach weiter. Ein elementbasiertes Modell erhält dagegen Informationen wie 'das ist ein Button mit dem Namen submit', wodurch Fehler auch von vorgelagerten Systemen leichter erkannt werden.

Die Automatisierungsbranche hat diesen Weg schon zu Selenium-Zeiten durchlaufen und ist damals vom Bildabgleich zurück zu DOM-Selektoren gewechselt. Die aktuelle Agenten-Welle startete beim Screenshot und landet jetzt bei derselben Schlussfolgerung.

Beide Wege schließen sich zudem nicht gegenseitig aus. Der Wert der Screenshot-Steuerung liegt in ihrer Reichweite: Desktop-Software, Remote-Terminals und alte Windows-Clients besitzen kein auslesbares DOM und lassen sich nur per Hinsehen bedienen. Das Browser-Tool deckt den Web-Teil ab, und Web macht ausgerechnet den größten Anteil an den Backend-Systemen von Unternehmen aus. Anthropic hat beide Wege unter demselben Computer-Use-Dach zusammengeführt, sodass Entwickler nicht zwischen zwei APIs wählen müssen – das Modell wechselt je nach Art des Zielfensters selbst die Methode.

Skills laufen jetzt über Upload

Die Skills API regelt eine andere Sache. Anthropic definiert einen Skill als einen Ordner mit Anweisungen, Skripten und Vorlagen, den das Modell nur bei Bedarf für eine Aufgabe lädt. Die nun allgemein verfügbare API vereinfacht Upload und Versionsverwaltung; Skills laufen in Claudes eigener Code-Sandbox, sodass Entwickler keine eigene Ausführungsumgebung mehr bereitstellen müssen.

Der Wegfall des Hostings hat einiges Gewicht. Ein Team, das seinen internen Reporting-Prozess als Skill umsetzen will, musste sich bisher vorab überlegen, auf welcher Maschine das Skript läuft, wie es isoliert wird und wie man sich bei Fehlern erholt; jetzt übernimmt die Plattform diesen Teil. Der Preis dafür: Die Ausführungsumgebung liegt in fremder Hand, und welche Abhängigkeiten installiert werden dürfen oder ob überhaupt eine Verbindung nach außen möglich ist, bestimmt die Plattform.

Dateikontingent steigt auf 1 TB

Die Änderungen an der Files API wirken eher wie Infrastruktur-Feintuning: Dateien können jetzt automatisch ablaufen, das Rate-Limit steigt auf das Fünffache des bisherigen Werts, und jede Organisation erhält 1 TB Speicher. Nach dem einmaligen Upload lässt sich eine Datei in nachfolgenden Anfragen per ID referenzieren, sodass derselbe Vertrag oder Geschäftsbericht nicht wiederholt in den Kontext gepackt werden muss.

1 TB reicht für textbasierte Anwendungen mehr als aus, für Anwendungen mit Scans, Audioaufnahmen oder Videoframes sieht die Rechnung dagegen anders aus. Die automatische Ablauffrist wird leicht übersehen, streicht aber das Thema 'Aufräumen' von der To-do-Liste der Entwickler – lang laufende Agenten verbrauchen ihr Kontingent nicht mehr dadurch, dass jemand vergisst, Zwischenergebnisse zu löschen.

Die drei Zahlen von Asteroid

Das von Anthropic angeführte Kundenbeispiel stammt von Asteroid, einem Unternehmen für die Automatisierung von Versicherungsschäden. Der längste Schadensfall-Workflow sank von 32 auf 13 Minuten, die Kosten pro Aufgabe fielen um rund 30 Prozent, die Abschlussquote erreichte 100 Prozent.

Von den drei Zahlen ist die Abschlussquote die anspruchsvollste. Ein Schadensprozess durchläuft mehrere Backend-Systeme, und schon ein einziger Fehlklick mittendrin unterbricht den gesamten Ablauf – die Kosten für eine manuelle Übernahme liegen dann höher, als hätte man gar nicht automatisiert. Die Verbesserungen bei Zeit und Kosten lassen sich mit Multi-Aktionen pro Runde und weniger Wiederholungsversuchen erklären, die höhere Abschlussquote wirkt eher wie ein Effekt des Browser-Tools.

Rechnet man diese veröffentlichten Zahlen grob durch, verdoppelt sich mit einem von 32 auf 13 Minuten verkürzten Prozess in etwa die Zahl der Fälle, die dasselbe Team pro Tag bearbeiten kann; erst mit den zusätzlichen rund 30 Prozent Kosteneinsparung geht die Randrechnung pro Fall überhaupt auf. Versicherungsschäden vertragen extrem wenig Fehler – zu viel oder zu wenig ausgezahlt zieht in beiden Fällen Nachfragen nach sich –, und eine öffentlich genannte Abschlussquote von 100 Prozent zeigt, dass dieses Unternehmen den Prozess bis zum Ende laufen lässt, ohne ein manuelles Gate dazwischenzuschalten.

Alle drei Funktionen sind aktuell auf der Claude Platform und in Microsoft Foundry verfügbar, Vertex AI von Google Cloud soll folgen. Im selben Zeitraum bauen auch andere Plattformen in diese Richtung aus: OpenAI hatte zuvor Reasoning und Computersteuerung von Codex in einem Modell zusammengeführt, was sich strategisch mit dieser GA-Ankündigung überschneidet. Wessen Steuerung letztlich stabiler läuft, entscheidet sich an der Abschlussquote solcher systemübergreifenden Workflows – Benchmark-Werte sagen darüber wenig aus.

Quellen: offizielle Ankündigung von Anthropic, CocoLoop, Claude-Platform-Dokumentation; Angaben zu Rate-Limit-Faktor, Speicherkontingent und den drei Asteroid-Kennzahlen wurden einzeln geprüft.