OpenAI schlägt drei Maßnahmen für die KI-Wirtschaft vor

OpenAI hat letzte Woche ein Papier mit Vorschlägen zur KI-Wirtschaftspolitik veröffentlicht, das drei Kernforderungen enthält: die Einrichtung eines öffentlichen Vermögensfonds, die Besteuerung von KI-Unternehmen und die Förderung der Vier-Tage-Woche.

Die Sache an sich ist durchaus bemerkenswert: Ein Unternehmen mit einer Bewertung von 852 Milliarden US-Dollar, einem annualisierten Umsatz von über 25 Milliarden US-Dollar und in Vorbereitung auf einen Börsengang ergreift die Initiative, sich selbst höhere Steuern aufzuerlegen und Gewinne an die breite Bevölkerung zu verteilen.

Drei politische Forderungen mit je eigener Stoßrichtung

Öffentlicher Vermögensfonds: Alle US-Bürger sollen automatisch Anteile an KI-Unternehmen halten und von Dividenden aus dem Wachstum der KI-Wirtschaft profitieren. Die Logik ähnelt der eines Staatsfonds, richtet sich jedoch an Einzelpersonen. Alaskas Öldividenden-Programm und der norwegische Staatsfonds sind vergleichbare Wege.

Robotersteuer (KI-Gewinnsteuer): Eine Steuer auf Gewinne, die durch KI erzielt werden. Dieses Geld soll zur Finanzierung von Sozialversicherungsprogrammen verwendet werden, um mögliche Arbeitsplatzverluste auszugleichen. Konkrete Steuersätze und Erhebungsmethoden wurden nicht im Detail ausgeführt.

Subventionen für die Vier-Tage-Woche: Durch finanzielle Zuschüsse sollen Unternehmen dazu bewegt werden, die Standardarbeitszeit zu verkürzen, um dem durch KI verursachten Druck auf dem Arbeitsmarkt zu begegnen. Frankreich, Deutschland und Island haben ähnliche Experimente durchgeführt, deren Ergebnisse umstritten sind.

Sam Altmans jüngste politische Aktivitäten

Dieses Dokument ist kein Einzelfall. Altman ist in letzter Zeit häufig bei politischen Anlässen aufgetreten, darunter Reden bei Veranstaltungen der Federal Reserve über die Auswirkungen von KI auf das Finanzsystem. OpenAI hat außerdem zeitgleich ein Stipendienprogramm für KI-Sicherheitsforschung aufgelegt, das Forschung zu Sicherheit und Alignment öffnet.

Der Zeitpunkt ist auch heikel: OpenAI hat gerade eine Finanzierungsrunde über 122 Milliarden US-Dollar abgeschlossen, die Bewertung liegt bei 852 Milliarden, der annualisierte Umsatz übersteigt 25 Milliarden, und das Unternehmen bereitet sich auf einen späteren Börsengang vor. Bei dieser Größenordnung kann die Initiative, über Verteilungsfragen zu sprechen, nicht einfach als reine Gutmütigkeit verstanden werden.

Wo es sich nachzufragen lohnt

Erste Frage: Wie soll der öffentliche Vermögensfonds gestaltet werden? Wer verwaltet ihn, wie werden Vermögenswerte bewertet, wie werden Erträge verteilt – diese Details entscheiden direkt, ob dies ein wirksamer Mechanismus oder ein leeres Versprechen ist. OpenAIs Vorschlag gibt keine klaren Antworten.

Zweite Frage: Wo liegt die Grenze der KI-Gewinnsteuer? KI ist bereits in fast jede Branche vorgedrungen. Wie "durch KI erzielte Gewinne" definiert und geprüft werden, ist ein äußerst komplexes Steuerproblem.

Dritte Frage: Kann die Vier-Tage-Woche durch Produktivitätssteigerungen durch KI getragen werden? Historische Daten zeigen, dass Produktivitätssteigerungen nicht automatisch zu einer Verringerung der Arbeitszeit führen – in den meisten Fällen führen sie zu Kostensenkungen und einer Konzentration der Gewinne beim Kapital. Islands Experiment war erfolgreich, aber das war das Ergebnis unter spezifischen Größen- und Branchenstrukturen.

Allein die Vorlage ist bedeutsam

Abgesehen von diesen Umsetzungsfragen ist es dennoch bemerkenswert, dass OpenAI die Frage "Wer profitiert?" auf den Tisch gelegt hat.

Die KI-Diskussion konzentrierte sich lange Zeit auf technische Fähigkeiten, Sicherheits-Alignment, Open Source vs. Closed Source – Verteilungsfragen blieben relativ am Rande. OpenAIs Vorschlag, ob umsetzbar oder nicht, hat auf diskursiver Ebene zumindest eines getan: Er hat die "Gewinnstruktur der KI-Wirtschaft" aus dem Hintergrund in den Vordergrund gerückt.

Ob daraus tatsächlich Politik wird, ist ein großes Fragezeichen – der aktuelle Polarisierungsgrad der US-Politik und die Geschwindigkeit der politischen Umsetzung sind solchen strukturellen Reformen nicht förderlich. Aber die Diskussion selbst hat bereits begonnen.

Quellenangabe: CocoLoop, OpenAI vision for the AI economy: public wealth funds, robot taxes, and a four-day work week (TechCrunch); AI News April 7 2026 (Crypto Integrated)