Der Zeitpunkt ist gut gewählt.
Kurz nachdem OpenAI die Einstellung von Sora ankündigte, brachte Google am 31. März Veo 3.1 Lite auf den Markt, positioniert als das kostengünstigste Videogenerierungsmodell, das Entwicklern über die Gemini API zugänglich ist.
Das ist kein Zufall, sondern zeigt, dass Google genau weiß, welche Marktlücke Sora hinterlassen hat.
Die Preislogik von Veo 3.1 Lite
Zunächst die technischen Daten:
| Spezifikation | Veo 3.1 Lite | Im Vergleich zu Veo 3.1 Fast |
|---|---|---|
| Preis (720p) | 0,05 USD/Sekunde | Über 50 % günstiger |
| Preis (1080p) | 0,08 USD/Sekunde | Teurer |
| Generierungsgeschwindigkeit | Gleich wie Fast | — |
| Auflösung | 720p / 1080p | 720p / 1080p |
| Seitenverhältnis | 16:9 / 9:16 | 16:9 / 9:16 |
| Längenoptionen | 4s / 6s / 8s | 4s / 6s / 8s |
Google sagt es direkt: Lite ist über 50 % günstiger als Fast, aber die Generierungsgeschwindigkeit ist identisch. Für etwas mehr als zwei US-Dollar erhält man eine Minute 720p-Video.
Für Anwendungen, die große Mengen an Videoinhalten generieren müssen, ist diese Kostenstruktur völlig anders.
Für welche Anwendungsfälle geeignet
Sowohl Text-zu-Video als auch Bild-zu-Video werden unterstützt, mit zwei Seitenverhältnissen und den Auflösungen 720p und 1080p. Diese Konfiguration deckt die meisten realen Entwicklungsszenarien ab:
- Soziale Content-Plattformen: Benutzer geben Text ein, kurze Videos werden automatisch generiert, sowohl im Quer- als auch im Hochformat
- E-Commerce-Produktpräsentation: Bilder in Videos umwandeln, Produktdetails dynamisch anzeigen
- Bildungs- und Medien-Content-Pipelines: Massenproduktion von Material, kosten sensibel
Früher war die Videogenerierung zu teuer, die meisten Entwickler nutzten sie nur für Prototypen und wagten nicht, sie in der Produktion einzusetzen. Die Lite-Version hat diese Logik geändert.
Über Google AI Studio kann man das Modell kostenlos testen, ohne Code schreiben zu müssen, um die Ergebnisse zu sehen, bevor man sich für die API entscheidet.
Der Zusammenhang mit Soras Rückzug
Die Gründe für die Schließung von Sora durch OpenAI sind nicht kompliziert: Hohe Rechenkosten, die Zahlungsbereitschaft der Nutzer reichte nicht aus. Der GPU-Verbrauch der Videogenerierung ist enorm, und der Weg der Monetarisierung über Verbraucher hat sich nie durchgesetzt.
Google geht einen völlig anderen Weg – es zielt nicht auf den gehobenen Verbrauchermarkt, sondern direkt auf Entwickler im B2B-Bereich. Es senkt die Kosten, damit Entwickler Videofunktionen in ihre Produkte integrieren können, und setzt auf ein skalierbares API-Abonnementmodell.
Bemerkenswert ist auch, dass Google gleichzeitig eine Preissenkung für Veo 3.1 Fast zum 7. April ankündigte. Die gleichzeitige Preissenkung beider Produkte deutet darauf hin, dass es sich nicht um eine erzwungene Anpassung handelt, sondern um eine aktive Taktik zur Erweiterung der Kundengruppe.
Die Iterationsgeschwindigkeit der Veo-Produktlinie von Google
Die Veo-Serie hat sich seit 2024 schnell entwickelt:
- Veo (Mai 2024): Auf der Google I/O vorgestellt, Demonstrationsniveau, nicht öffentlich zugänglich
- Veo 2 (Dezember 2024): 4K-Auflösung, deutlich verbessertes physikalisches Verständnis
- Veo 3 (Mai 2025): Einführung der synchronen Audio-Generierung, ein großer Sprung
- Veo 3.1 Fast: Beschleunigung auf Basis von Veo 3
- Veo 3.1 Lite (31. März 2026): Derzeit günstigste Option, speziell für Entwickler
Die Logik dieser Produktlinie ist klar: Nach oben hin (Veo 3 führt Audio ein), nach unten hin (Lite senkt die Kosten), Abdeckung beider Enden, Priorität des API-Ökosystems.
Wie ist der Bereich der Videogenerierung einzuschätzen
Der Rückzug von Sora ist ein Datenpunkt, keine Widerlegung der gesamten Richtung.
OpenAI hat bewiesen: Der Weg, dass Verbraucher direkt für Videogenerierungsfähigkeiten bezahlen, ist in der aktuellen Phase nicht gangbar. Google hat bewiesen: Der Weg der Entwicklerintegration über API-Abrechnung mit gesenkten Kosten ist machbar.
Beide Ereignisse zusammen zeichnen einen recht klaren Umriss für diesen Bereich: Die Zukunft der Videogenerierung liegt eher darin, in andere Produkte eingebettet zu sein, als als eigenständiges Produkt zu existieren.
Unabhängige Videogenerierungsunternehmen wie Runway und Pika werden dadurch vor größere Herausforderungen gestellt. Ihr Gegner ist jetzt die Preisgestaltung der Google-Infrastruktur, und diesen Kampf werden sie möglicherweise nicht gewinnen.
Quellenangabe: Build with Veo 3.1 Lite, our most cost-effective video generation model (Google Blog), Google commits to video generation, announces Veo 3.1 Lite (9to5Google), CocoLoop, Google Launches Veo 3.1 Lite as OpenAI Shuts Down Sora (WinBuzzer)