Was gestern passiert ist
Am Nachmittag des 21. April machte jemand einen Screenshot und warf ihn ins Netz: Die Preisseite von Anthropic hatte sich still und leise geändert – neben dem Pro-Abo für 20 Dollar pro Monat war die Zeile für Claude Code von einem grünen Häkchen zu einem Kreuz geworden.
Es handelte sich nicht um eine Produkteinstellung – Claude Code wurde lediglich aus dem günstigsten Abo entfernt.
Nachdem die Nachricht die Runde gemacht hatte, eilte Amol Avasare, Leiter des Wachstums bei Anthropic, schnell in die sozialen Medien, um die Wogen zu glätten: Es handele sich lediglich um "einen kleinen Test mit etwa 2 % der neuen Nutzer", bestehende Abonnenten seien nicht betroffen, also keine Panik.
Dann, weniger als einen Tag später, wurde die Änderung stillschweigend rückgängig gemacht.
Aber damit ist die Sache noch nicht vom Tisch.
Warum Anthropic das tun wollte
Avasare sagte einen Satz, den man sich genauer ansehen sollte: "usage has changed a lot and our current plans weren't built for this."
Auf Deutsch: Zu viele Leute nutzen Claude Code exzessiv im 20-Dollar-Abo, und Anthropic kann die Kosten nicht mehr stemmen.
Claude Code ist im Kern ein API-intensives Tool, das ständig Anfragen an das Modell sendet. Jede Codegenerierung, jeder Agentenzyklus, jede Änderung an mehreren Dateien – das alles verbraucht Tokens. Anthropic berechnet die API nach Tokens, aber im Pro-Abo ist alles "zum Festpreis im Kontingent enthalten".
Das Problem liegt hier: Die tatsächliche Nutzung von Claude Code durch Entwickler hat die Erwartungen bei der Gestaltung des Pro-Abos längst übertroffen.
Die AI Pulse-Umfrage von JetBrains vom Januar dieses Jahres unter über 10.000 Entwicklern zeigt, dass die berufliche Nutzung von Claude Code bei professionellen Entwicklern im Vergleich zum Frühjahr letzten Jahres um das Sechsfache gestiegen ist, bei einer Zufriedenheitsrate von 91 %. Je beliebter, desto höher die Kosten, und desto weniger trägt sich das 20-Dollar-Abo.
Das 100-Dollar-Max-Abo ist das, was sie wirklich verkaufen wollen
Die aktuelle Abostruktur sieht in etwa so aus:
| Abo | Monatspreis | Claude Code |
|---|---|---|
| Pro | 20 $ | Wird getestet entfernt |
| Max 5x | 100 $ | 5-faches Kontingent von Pro |
| Max 20x | 200 $ | 20-faches Kontingent von Pro |
Dieser "Test" hat klar gemacht, was gesagt werden sollte: Für intensive Claude-Code-Nutzung reichen 20 Dollar nicht.
Die Entfernung von Claude Code aus dem Pro-Abo ist der Beginn einer Preisrestrukturierung, nicht das Ende. Der wahrscheinlichste nächste Schritt: Pro behält einen leichten Zugang zu Claude Code (mit einer wöchentlichen Obergrenze), während Schwerlastnutzer 100 Dollar für Max zahlen müssen.
Reaktionen der Entwickler
Die Reaktionen im Netz waren heftig. Manche empfanden es als Vertrauensbruch, andere sagten, sie hätten es kommen sehen, und wieder andere meinten: "Zum Glück bin ich schon bei Max."
Aber ein Kommentar traf den Nagel auf den Kopf:
"Anthropic sollte sich lieber überlegen, warum ich weiter Claude Code nutzen sollte, anstatt zu Codex zu wechseln, anstatt sich solche Mühe zu machen."
Das klingt etwas sauer, ist aber nicht unbegründet. Claude Code steht heute vor einer viel größeren Konkurrenz als noch vor einem halben Jahr – OpenAI's Codex holt schnell auf, Cursor hat gerade 2 Milliarden Dollar eingesammelt und wird mit über 50 Milliarden Dollar bewertet, und Windsurf drängt ebenfalls in den Unternehmensbereich.
In der Zeit des stärksten Wettbewerbs die Preisgrenzen zu testen, ist ein ziemlich heikler Zeitpunkt.
Aktueller Stand
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wurde die Änderung zurückgesetzt, das Häkchen für Claude Code im Pro-Abo ist wieder da. Aber Avasares Worte bleiben: "existing subscribers aren't affected" – diese Einschränkung zeigt, dass sie noch an der Preisgestaltung für Neukunden feilen.
Er sagte auch: "Wenn es Bestandskunden betrifft, werden wir vorher Bescheid geben." Dieser Satz macht fast klar: Die Änderung ist nur eine Frage der Zeit, nicht ob sie kommt.
Der sprunghafte Anstieg der Claude-Code-Nutzung ist für Anthropic ein zweischneidiges Schwert. Gut ist, dass das Produkt immer gefragter wird; schlecht ist, dass bei der aktuellen Preisgestaltung jeder weitere Schwerlastnutzer ein Verlustgeschäft sein könnte. Dieser Test wurde vorzeitig abgebrochen, aber die Preisrestrukturierung ist bereits im Gange. Nutzer, die Claude Code für 20 Dollar betreiben, sollten jetzt anfangen, über einen Plan B nachzudenken.
Quellenangabe: CocoLoop, Anthropic tests how devs react to yanking Claude Code from Pro plan (The Register); Anthropic (Briefly) Removes Claude Code From $20-A-Month Pro Subscription Plan For New Users (Where's Your Ed At); Anthropic is thinking about removing Claude Code from its cheapest plan (The New Stack)