Substack verbietet KI-Schreiben nicht. Die neue Funktion ist präziser: Leser können Beiträge, Notes, Antworten und Kommentare scannen und eine Einschätzung erhalten, wie viel Text möglicherweise von KI erzeugt oder unterstützt wurde.
Der Start erfolgte am 21. Juli mit dem KI-Erkennungsanbieter Pangram. Die Funktion bewertet nicht den Wert eines Textes, sondern zeigt mögliche maschinelle Beteiligung an.
Der Scan beginnt beim Leser
Substack-Mitgründer und CEO Chris Best nennt die Lücke zwischen Erwartung und Realität “Claudefishing”. Er schreibt:
The core problem is not people using AI, or the quality of its output. The problem is when there is a mismatch between a reader’s expectation and reality.
Gescannt werden können Inhalte mit mehr als 100 Wörtern, die ab dem 21. Juli veröffentlicht wurden. Das umfasst Beiträge, Notes, Antworten und Kommentare. Laut The Verge ist die Funktion im Web und auf iOS verfügbar, Android folgt später.
Zusätzlich führt Substack eine “How I make this”-Angabe ein, mit der Autoren ihren Arbeitsprozess erklären können.
Plattformen suchen menschliche Herkunft
Business Insider ordnet Substack in eine breitere Bewegung ein: YouTube schärft Regeln gegen repetitive Billiginhalte, TikTok testet Erkennung für KI-Spamkonten, Pinterest erlaubt weniger generative KI im Feed, Meta setzt teils KI-Labels.
Substacks Risiko liegt im bezahlten Vertrauen. Leser abonnieren oft das Urteil einer bestimmten Person. Wenn diese Rolle unsichtbar wird, wird die Beziehung brüchig.
Der Detektor ist kein Richter
Pangram nennt 99,98 Prozent Genauigkeit und verweist auf unabhängige Prüfung. Substack betont die Grenze: Pangram kann wahrscheinliche KI-Nutzung erkennen, aber nicht messen, wie viel menschliche Sorgfalt im Text steckt oder ob KI nur als Quelle oder Lektorat diente.
Autoren können deshalb Entwürfe selbst prüfen, Fehler melden und Scans entfernen, die sie für falsch halten.
Menschliche Arbeit als Label
Das größere Signal ist kommerziell: “von Menschen gemacht” kann für bestimmte Newsletter, Communities und Marken ein Verkaufsargument werden. Substack verschiebt die Frage von KI-Erlaubnis zu Herkunftstransparenz.
Zu beobachten bleibt, ob Scanwerte Empfehlungen beeinflussen, ob Prozessangaben üblich werden, ob Leser KI-Anteile im Feed steuern können und wie gut Einsprüche gegen Fehlurteile funktionieren.
Quellen: offizieller Substack-Blog, The Verge, Business Insider, offizielle Pangram-Informationen, CocoLoop; geprüft wurden Startumfang, 100-Wort-Schwelle, Pangram-Partnerschaft, Angaben für Autoren, Plattformvergleiche zur KI-Inhaltskontrolle und Grenzen der Erkennung.