Google plant offenbar einen Zwischentarif zwischen AI Pro und Ultra

Zwischen AI Pro fuer 20 Dollar im Monat und AI Ultra fuer 250 Dollar liegt eine sehr grosse Luecke. Google scheint diese Luecke selbst zu sehen.

Am 5. Mai fand 9to5Google im Code der macOS-App Hinweise auf eine neue Abo-Stufe namens AI Ultra Lite, intern mit dem Codenamen Neon. Einen Tag spaeter tauchten weitere Strings zu einem groesseren Upgrade fuer Gemini Agent auf: Remy, beschrieben als digitaler Partner, der rund um die Uhr arbeiten kann.

Zusammen gelesen zeigen die beiden Funde, dass Google seine KI-Strategie staerker segmentiert: mehr Preisstufen und ein Produkt, das klarer als Agent auftreten soll.

Welche Luecke AI Ultra Lite fuellen wuerde

Die bisherige Preisleiter laesst einen grossen Sprung. AI Pro kostet 20 Dollar pro Monat und richtet sich mit Gemini Pro an normale Nutzer. AI Ultra kostet 250 Dollar pro Monat und buendelt fuer Heavy User Project Genie demos, Video- und Musikgenerierung in Flow sowie ein groesseres NotebookLM-Paket.

Dazwischen liegt der Faktor 12,5. Wer taeglich mehrere Stunden mit KI programmiert, aber die Bestandteile des 250-Dollar-Pakets wie Project Genie demos nicht braucht, findet derzeit keinen passenden Tarif.

AI Ultra Lite ist preislich noch nicht offiziell angekuendigt. Externe Schaetzungen sehen die Stufe zwischen 50 und 150 Dollar. Die Rolle ist eindeutig: Nutzer, denen Pro nicht reicht und Ultra zu teuer ist, sollen eine realistische Aufstiegsoption bekommen.

Das Vorbild liegt nahe bei Anthropics Claude Max 20x. Claude trennt bereits in Pro fuer 20 Dollar, Max 5x fuer 100 Dollar und Max 20x fuer 200 Dollar. So entsteht ein eigener Korridor fuer Entwickler mit hoher Nutzung, die noch keine unternehmensweite Einfuehrung kaufen. Google scheint genau diese Logik zu uebernehmen.

9to5Google fand zudem Hinweise auf eine Seite gemini.google.com/usage. Sie soll Fuenf-Stunden-Limits, Wochenlimits und Credits fuer Mehrnutzung anzeigen. Das Dashboard erinnert stark an Claudes usage-Seite. Google kopiert damit nicht nur die Preisschichtung, sondern auch die Sichtbarkeit der Nutzung.

Remy macht aus Gemini Agent einen Dauerbegleiter

Google hatte Gemini Agent im vergangenen November bei Gemini 3 als experimentelle Funktion fuer mehrstufige Aufgaben erwaehnt. Das klang damals nach einer Variante von Anthropics Computer Use.

Am 6. Mai fand 9to5Google Strings fuer eine kommende Version mit dem Codenamen Remy. Die Begruessung dieser Version fragt nicht mehr, was der Nutzer wissen moechte. Sie lautet: "What can I get done for you today?"

Auch die Positionierung verschiebt sich: weg vom experimentellen Werkzeug fuer mehrstufige Aufgaben, hin zu einem digitalen Partner fuer Arbeit, Schule und Alltag, der 24/7 verfuegbar sein soll.

Aus den App-Strings geht hervor, dass Remy ueber Webseiten hinweg handeln kann: Buttons anklicken, Formulare ausfuellen und Einkaeufe erledigen. Der Agent soll wichtige Ereignisse proaktiv beobachten, Praeferenzen lernen und mehrstufige Aufgaben verwalten. Die Aufgabenoberflaeche bekommt offenbar Bereiche fuer abgeschlossene Aufgaben, die angeheftet oder wiederhergestellt werden koennen, laufende Aufgaben, Aufgaben mit ausstehender Nutzereingabe und geplante Aufgaben.

Noch wichtiger ist die Datenbasis. Laut den Strings kann Remy fruehere Chats, Informationen aus Connected Apps, Personal context, Personal Intelligence, Agent files und Standortdaten nutzen. Das ueberschneidet sich klar mit der Idee hinter Anthropics Claude Managed Agents: ein Assistent, der app-uebergreifend Daten verwendet, den Nutzer wiedererkennt und in seinem Auftrag handelt.

Was beide Funde zusammen zeigen

AI Ultra Lite ist ein kommerzieller Lueckenschluss. Google kann die Preisleiter enger machen, die ARPU-Obergrenze anheben und zugleich verhindern, dass intensive Nutzer im mittleren Segment abspringen.

Remy ist der Produktwechsel. Gemini bewegt sich von der Antwortbox zu einem Agenten, der auch dann weiterarbeiten soll, wenn der Nutzer nicht vor dem Bildschirm sitzt.

Beides ist noch nicht gestartet. Google I/O ist fuer den 19. Mai geplant. In den vergangenen Jahren hat Google haeufig rund zwei Wochen vor I/O Hinweise in Code platziert, die Medien finden konnten. Das schafft Aufmerksamkeit und gibt zugleich Feedback fuer die finale Ausgestaltung.

Diesmal ist die Spur dichter als sonst. AI Ultra Lite, Remy und ein Usage-Dashboard tauchten gleichzeitig auf. Auf der I/O-Buehne duerfte mehr als nur eine KI-Ankuendigung stehen.

OpenAI drueckt mit ChatGPT Go fuer 8 Dollar in das untere und mittlere Segment, Anthropic haelt Entwickler mit der Max-Reihe, und Google will mit Pro, Ultra Lite und Ultra die gesamte Spanne abdecken. Ob ein 24/7-Assistent wie Remy wirklich zuverlaessig funktioniert, ist eine andere Frage. Google selbst soll in den Code-Kommentaren nicht verschweigen: "It can make mistakes and expose data unintentionally".

Jetzt bleibt I/O abzuwarten.

Quellen: CocoLoop; Google readies "AI Ultra Lite" plan for Gemini (9to5Google); Google preps "Gemini Agent" as your "24/7 digital partner" (9to5Google)