ChatGPT startet offiziell in Excel und Google Sheets

OpenAI hat ChatGPT direkt in Excel gebracht. Für Microsoft ist das ein unbequemer Schritt.

Am 5. Mai wurden ChatGPT for Excel und Google Sheets allgemein verfügbar, über Plattformen und Tarife hinweg. Die Excel-Beta startete im März, die Sheets-Beta im April. Nach rund zwei Monaten war der Testlauf beendet. Für ein Produkt, das zwei konkurrierende Produktivitätsökosysteme adressiert, ist das schnell.

Der wichtigere Punkt ist nicht nur die Präsenz in Excel. OpenAI nannte gleichzeitig eine Reihe von Datenpartnern: FactSet, S&P Global, Moody’s, MSCI, LSEG, Dow Jones Factiva, Daloopa und Third Bridge.

Diese Liste verändert den Charakter des Produkts. Es geht nicht bloß um einen KI-Helfer für Formeln, sondern um den Finanzdaten-Stack, den Analysten an der Wall Street täglich nutzen.

Was im Spreadsheet möglich wird

  • Komplette Tabellen erstellen: Auf Wunsch baut ChatGPT eine dreijährige Kapitalflussrechnung mit operativem, Investitions- und Finanzierungsbereich samt Struktur, Formeln und Verweisen.
  • Daten bereinigen: Eingefügte Rohdaten lassen sich per natürlicher Sprache normalisieren, etwa Datumsformate vereinheitlichen oder negative Werte markieren.
  • Formeln erklären: In komplexen Modellen kann ein Nutzer fragen, was eine bestimmte Zelle berechnet.
  • Über Tabs hinweg arbeiten: Modelle können mehrere Arbeitsblätter verbinden.
  • Finanzdaten abrufen: Über S&P Global, FactSet und andere Partner kommen Marktdaten direkt in den Arbeitsfluss.

“You no longer need to leave your spreadsheet to get help.”

OpenAI will damit einen Analysten-Workflow verdichten, der bisher aus Excel, Bloomberg Terminal, Web, internen Wissensdatenbanken und gelegentlichen ChatGPT-Fragen bestand.

Was das für Microsoft bedeutet

Microsofts Copilot läuft seit mehr als einem Jahr in Excel. Eigentlich ist Excel Microsofts Heimfeld. Doch diese GA-Version macht die Lage weniger eindeutig.

  1. Ein Microsoft-365-Copilot-Abo ist nicht nötig. ChatGPT for Excel kommt über ChatGPT-Tarife wie Plus, Pro, Business, Enterprise, Edu und K-12.
  2. Google Sheets ist ebenfalls dabei. Microsoft Copilot wird nicht in Sheets auftauchen. OpenAI kann beide Umgebungen bedienen.
  3. Die Basis ist GPT-5.5. Copilot nutzt GPT-Modelle in Azure, doch Versionen und Funktionsrhythmus kontrolliert Microsoft. ChatGPT for Excel hängt direkt an OpenAIs aktueller GPT-5.5-Erfahrung.

Für Finanzanalysten hängt die Wahl vom Arbeitsumfeld ab. Wer in einem Unternehmen mit Microsoft 365 E5 und Copilot arbeitet, wird Copilot nutzen. Einzelanwender, Startups oder Teams mit Mac und Google Workspace greifen eher zu ChatGPT for Excel/Sheets.

Die Datenpartner zeigen klar Richtung Finanzbranche. FactSet und S&P Global Market Intelligence sind Wall-Street-Standard, MSCI steht für Indizes und ESG, Moody’s für Ratings, LSEG für Aktiendaten, Daloopa für strukturierte SEC-Daten und Third Bridge für Experteninterviews.

DatenquelleHauptzweck
FactSetUnternehmensfinanzen, Bewertung, Research
S&P GlobalKredit, Marktindizes, Branchendaten
Moody’sKreditratings und Risikodaten
MSCIIndizes und ESG-Daten
LSEGGlobale Aktien- und Derivatedaten
Dow Jones FactivaFinanznachrichtenarchiv
DaloopaStrukturierte SEC-Berichtsdaten
Third BridgeInterviews mit Branchenexperten

Diese Kombination trifft Bloombergs Kerngebiet. Ein Bloomberg-Terminal-Sitz kostet rund 27.000 Dollar pro Jahr, Refinitiv, inzwischen Teil von LSEG, liegt etwa bei 20.000 Dollar. OpenAI will einen Teil dieser Arbeit in ein deutlich günstigeres ChatGPT-Erlebnis verlagern.

Die Grenzen

Erstens liegen Finanzdatenrechte nicht allein bei OpenAI. OpenAI spricht von Apps-Integrationen, nennt aber weder enthaltene monatliche Nutzung noch Preise für Mehrverbrauch. Professionelle Analysten rufen FactSet teils hunderte Male am Tag auf. Das wird nicht billig.

Zweitens wiegt Halluzination im Finanzbereich schwerer. Eine falsche Formel oder ein verwechselter Ticker kann in einem Bewertungsmodell Prognosen um hunderte Millionen Dollar verschieben. OpenAI sagt, GPT-5.5 halluziniere 52,5% weniger als GPT-5.3 Instant, doch die Fehlertoleranz ist hier sehr niedrig.

Drittens bleibt Compliance schwierig. Kernmodelle in einen Cloud-KI-Dienst zu geben, ist für IT und Rechtsabteilungen großer Banken ein sensibles Thema. Selbst mit Datenisolation in Enterprise-Produkten muss jede Investmentbank die Vertragsdetails prüfen.

Fazit

OpenAI macht ChatGPT nicht nur klüger. Das Unternehmen bringt ChatGPT in die Werkzeuge, in denen Menschen bereits arbeiten: Excel, Word, Sheets, Slack und Microsoft Teams.

Jede Integration verringert Copilots Differenzierung. Wenn in Office-Workflows zwei KI-Assistenten nebeneinander stehen, zählen am Ende Modellqualität und Preis. Genau dort tritt OpenAI am liebsten an.

Microsofts Antwort wird man vermutlich am besten an den Copilot-Kennzahlen im nächsten Quartalsbericht ablesen.

Quellen: Introducing ChatGPT for Excel and new financial data integrations (OpenAI); ChatGPT for Excel and Google Sheets is now out of beta, and it's kind of a big deal (Digital Trends); OpenAI launches ChatGPT add-in with Excel, Google Sheets for all users (The Peninsula Qatar); CocoLoop; OpenAI Releases ChatGPT Excel Add-In with Advanced Financial Data Integrations (mlq.ai)