Trump signalisiert Kehrtwende: Pentagon-Deal mit Anthropic wieder möglich

Vor gut vier Wochen forderte Trump auf Truth Social die Bundesregierung auf, „sofort jegliche Geschäfte mit Anthropic einzustellen“. Das Pentagon stufte Anthropic als Risiko für die Lieferketten-Sicherheit ein. Anthropic stellte einen Eilantrag vor Gericht, der abgewiesen wurde; die Sperre blieb bestehen.

Dann, am vergangenen Freitag, kam Dario Amodei mit Mythos ins Weiße Haus zu einem Treffen.

Am 21. April sagte Trump gegenüber CNBC, Anthropic sei „auf dem richtigen Weg“, eine Zusammenarbeit zwischen dem Pentagon und Anthropic sei „möglich“, und das Unternehmen könne „sehr nützlich sein“.

Diese Kehrtwende ist bemerkenswert.

Wie der Streit begann

Die Zusammenarbeit zwischen Anthropic und dem Pentagon begann nicht so konfrontativ.

Im Juli letzten Jahres unterzeichneten beide Seiten einen 200-Millionen-Dollar-Vertrag, um Claude in die GenAI.mil-Plattform zu integrieren – eines der Kernprojekte des Pentagons zur Förderung von KI-Anwendungen. Die Flitterwochen waren kurz. Bereits im September scheiterten die Verhandlungen vollständig:

  • Forderung des Pentagons: uneingeschränkter Zugriff auf Claude für alle „legalen Zwecke“
  • Rote Linie von Anthropic: kein Einsatz in vollautonomen Waffensystemen, keine großflächige Inlandsüberwachung

Keine Seite gab nach. Im März dieses Jahres stufte das Pentagon Anthropic als „Lieferkettenrisiko“ ein, Trump postete persönlich auf Truth Social und forderte „sofortige Einstellung der Nutzung“, und ein Bundesgericht lehnte den Eilantrag von Anthropic ab, womit die Sperre bestehen blieb.

Damals schien dies eine echte Sackgasse zu sein.

Was Mythos verändert hat

Dario kam am vergangenen Freitag nicht mit leeren Händen ins Weiße Haus. Er brachte Mythos mit – das Modell, das Anthropic intern als „zu gefährlich für eine öffentliche Veröffentlichung“ einstuft.

Derzeit gibt es keine öffentlichen Details zur Vorführung, aber aus dem Ergebnis lässt sich ableiten, was passiert ist: Die Leute im Weißen Haus sahen die tatsächlichen Fähigkeiten von Mythos in bestimmten Szenarien und seinen potenziellen Wert für Militär- und Geheimdienstarbeit.

Trumps Wortwahl spricht für sich. Von „werde niemals wieder Geschäfte mit ihnen machen“ zu „shaping up“ (sich zum Besseren entwickeln) – dieser Begriff hat im politischen Kontext eine Bedeutung und deutet in der Regel darauf hin, dass die andere Seite Zugeständnisse gemacht oder Zusicherungen gegeben hat.

Die wahrscheinlichste Erklärung: Anthropic hat die Definition der Grenzen für „legitime militärische Nutzung“ angepasst oder ist bereit, über spezifische Nutzungsbeschränkungen neu zu verhandeln, anstatt an einem pauschalen Verbotsprinzip festzuhalten.

Die Rechnung des Weißen Hauses

Die Trump-Administration hat ohnehin ein großes Interesse an militärischen KI-Anwendungen – der „AI Action Plan“ betont ausdrücklich die Aufrechterhaltung der US-Führungsposition bei militärischen KI-Fähigkeiten, und Unternehmen wie OpenAI und Palantir sind bereits aktiv in Verteidigungsprojekten.

Aber die Fähigkeiten von Mythos liegen auf einer anderen Ebene. Es ist das derzeit stärkste bekannte Modell, das die interne Sicherheitsprüfung für Cyberangriffsfähigkeiten bestanden hat, und das KI-Tool, das in Bereichen wie Cyberkrieg und Geheimdienstanalyse den größten praktischen Nutzen bieten könnte.

Wenn Anthropic bereit ist, unter kontrollierten Bedingungen Zugang zu gewähren, wäre es für das Weiße Haus kaum zu rechtfertigen, auf diese Fähigkeit zu verzichten.

Noch nicht geklärte Punkte

Beide Seiten befinden sich derzeit in der Phase der „Möglichkeitseröffnung“, konkrete Vertragsklauseln wurden noch nicht bekannt gegeben.

Folgende Punkte bleiben unklar:

  • Ob die beiden früheren roten Linien von Anthropic – autonome Waffen und Inlandsüberwachung – noch bestehen oder neu definiert wurden
  • Ob die ursprüngliche Forderung des Pentagons nach „uneingeschränktem Zugriff“ abgeschwächt wurde
  • Umfang und Kontrollmechanismen des endgültigen Vertrags

Bemerkenswert ist, dass am selben Tag, an dem Trump sagte, „man könne verhandeln“, auch ein Sicherheitsvorfall mit unbefugtem Zugriff auf Mythos bekannt wurde: Eine Discord-Gruppe hatte über eine Lieferketten-Schwachstelle zwei Wochen lang heimlich auf das Modell zugegriffen.

Einerseits demonstriert man der Regierung die eigenen Sicherheitskontrollfähigkeiten, andererseits wird bekannt, dass die Vorschau-Umgebung umgangen wurde – zeitlich gesehen dürfte Anthropic das ebenfalls unangenehm sein.

Quellenangabe: Trump says Anthropic Pentagon deal is 'possible', weeks after blacklisting the company as a national security risk (The Next Web); CocoLoop, Trump Signals Possible Defense Deal with Anthropic After White House Talks (The Deep Dive); Trump Is Warming Up to Anthropic Again (Gizmodo)