Staatlicher KI-Fonds investiert 1,4 Mrd. Yuan in Kling – mit Rückkaufrecht

Die Kuaishou-Tochter Beijing Kling Technology hat eine Investitionsvereinbarung unterzeichnet und zwei neue Investoren an Bord geholt. Der China AI Industry Investment Fund zeichnet für 1,4 Milliarden Yuan rund 1,14 Prozent der Anteile, Zhengda Robotics steuert rund 131 Millionen Yuan bei und erhält dafür etwa 0,11 Prozent. Beide Investoren sichert die Vereinbarung ein Rückkaufrecht zu. Kuaishou erklärte, das Zeichnungskontingent dieser Runde sei vollständig ausgeschöpft.

Rechnet man Betrag und Anteil der beiden Transaktionen jeweils einzeln hoch, ergibt sich eine Gesamtbewertung von Kling von rund 122,8 Milliarden Yuan beziehungsweise rund 119,1 Milliarden Yuan (grobe Schätzung); der Unterschied dürfte aus unterschiedlichen Preisdetails der beiden Tranchen stammen. Im Mittel liegt der Wert bei rund 120 Milliarden Yuan, umgerechnet in etwa 17 Milliarden US-Dollar.

Die Sache mit dem Rückkaufrecht

Wenn sich ein staatlicher Industriefonds an einem Video-Generierungs-Unternehmen beteiligt, liegt die Lesart als industriepolitischer Ritterschlag nahe. Dass die Vereinbarung aber ein Rückkaufrecht enthält, zeigt: Auf Vertragsebene wird das Geld weiterhin wie eine Finanzinvestition behandelt. Kommt es später nicht zu einem vereinbarten Börsengang oder einem anderen Exit, kann der Investor von Kling oder den bestehenden Aktionären den Rückkauf der Anteile verlangen. Solche Klauseln sind bei Yuan-Fonds üblich – dass sie auch bei einem staatlich getragenen Fonds auftauchen, zeigt, dass Due Diligence und Risikokontrolle demselben Prozess folgen und wegen der strategischen Bedeutung nicht gelockert wurden.

Für Kling bedeutet das eine zusätzliche potenzielle Rückkaufverpflichtung in der Bilanz. Der Vorteil: das Label eines staatlichen Industriekapitalgebers, das Verhandlungen bei der Beschaffung heimischer Rechenkapazität und bei der Erschließung staatsnaher Geschäftskunden erleichtern dürfte.

Klings eigene Zahlen

Finanziell lag Klings Umsatz im zweiten Quartal dieses Jahres bei über 850 Millionen Yuan, ein Plus von mehr als 200 Prozent im Jahresvergleich. Im selben Quartal kam der Kuaishou-Konzern insgesamt auf rund 35,5 Milliarden Yuan Umsatz, Klings Anteil daran liegt weiterhin bei rund 2,4 Prozent – nicht groß, aber die steilste Wachstumskurve im gesamten Konzern.

Auch auf der Nutzerseite geht es aufwärts. Bis Ende Juni überschritt Kling weltweit die Marke von 100 Millionen Nutzern, ein Plus von rund 67 Prozent gegenüber Ende 2025, verteilt auf 224 Länder und Regionen; die Zahl der Unternehmenskunden liegt bei knapp 50.000, ebenfalls mit einem Zuwachs von rund 67 Prozent. Beide Kurven wachsen im Gleichschritt, was darauf hindeutet, dass der Schub aus der Durchdringung insgesamt kommt und nicht aus einem einzelnen Kundensegment.

Hochgerechnet man den Quartalsumsatz einfach auf das Jahr, ergeben sich rund 3,4 Milliarden Yuan (grobe Schätzung ohne Berücksichtigung von Saisonalität und einer möglichen Wachstumsverlangsamung). Die Bewertung von 120 Milliarden Yuan entspricht damit etwa dem 35-Fachen des Umsatzes. Für die Video-Generierungs-Branche ist das kein Schnäppchen, aber auch nicht abwegig – etliche Wettbewerber werden mit noch höheren Multiples bewertet, und Kling hat zumindest eine belastbare Umsatzkurve als Rückhalt.

Abgleich mit den Gerüchten von vor vier Monaten

Im Mai kursierte die Meldung, Kuaishou wolle Kling abspalten und bei einer Bewertung von 20 Milliarden US-Dollar 2 Milliarden US-Dollar einsammeln. Umgerechnet in Yuan wären das damals knapp 140 Milliarden gewesen. Vier Monate später liegt die nun vertraglich fixierte Zeichnung bei einer Bewertung von rund 120 Milliarden Yuan – niedriger als im Gerücht kolportiert.

Die beiden Zahlen beruhen ohnehin auf unterschiedlichen Logiken: Die eine ist die marktbasierte Bewertungserwartung für eine eigenständige Finanzierungsrunde nach einer Abspaltung, die andere der vertraglich vereinbarte Preis für einen strategischen Investor innerhalb der bestehenden Aktionärsstruktur. Gerüchte-Bewertungen sind immer nur Erwartungen, der tatsächliche Abschlusspreis steht auf einem anderen Blatt – das ist am Primärmarkt Gemeingut. Aufschlussreicher ist das Tempo: Diesmal nimmt Kling Geld von einem Industriefonds, was eher danach aussieht, den Boden für eine spätere Verselbstständigung zu bereiten, als die Bewertung auf einen Schlag auszureizen.

Dass das Zeichnungskontingent bereits vollständig ausgeschöpft ist, deutet zudem darauf hin, dass der in dieser Runde geöffnete Anteil begrenzt war – von einer großen Finanzierungsrunde kann keine Rede sein.

Quellen: Vereinbarungsoffenlegung von Kuaishou, TechNode, CocoLoop, Sina Technology; Investitionsbeträge und Beteiligungsquoten wurden anhand der offengelegten Vereinbarung abgeglichen, Gesamtbewertung und Umsatzmultiple sind grobe Schätzungen auf Basis von Zeichnungsbetrag und -quote.