Der Begriff „Vibe Coding“ wurde Ende 2025 in Entwicklerkreisen plötzlich populär. Gemeint ist im Kern: Man beschreibt in natürlicher Sprache, was entstehen soll, und lässt die KI den Code schreiben.
Die Grundidee
Es geht nicht mehr darum, jede Zeile selbst einzutippen. Man formuliert das Ziel, die KI erzeugt Code, und wenn das Ergebnis nicht passt, wird wieder in normaler Sprache nachgesteuert. Der Prozess fühlt sich eher wie das Regieführen über Software an als wie klassisches Programmieren Zeile für Zeile.
Cursor mit dem Composer-Modus, Claude Code mit Agent-Funktionen und der Coding Agent von GitHub Copilot treiben genau diese Entwicklung voran.
Wo es funktioniert
Gut geeignet ist Vibe Coding vor allem für:
- Schnelle Prototypen, bei denen aus einer Idee rasch eine lauffähige Demo werden soll.
- Wiederkehrenden CRUD-Code.
- Erste Schritte in unbekannten Frameworks oder Programmiersprachen.
- Testfälle und Dokumentation.
Schwächer ist der Ansatz in Bereichen wie:
- Performancekritischem Low-Level-Code.
- Sicherheitsrelevanten Modulen.
- Situationen, in denen jede logische Verzweigung exakt kontrolliert werden muss.
- Großen Legacy-Codebasen mit vielen gewachsenen Abhängigkeiten.
Der Streitpunkt
Befürworter sehen Vibe Coding als niedrigere Einstiegshürde: Mehr Menschen können Ideen mit Code umsetzen. Kritiker warnen, dass Menschen, die ihren eigenen Code nicht verstehen, bei Wartung und Fehlersuche große Probleme bekommen. Wenn man den von KI geschriebenen Code nicht lesen kann, was passiert dann beim ersten Bug?
Die Debatte erinnert stark an die frühere Diskussion über Low-Code-Plattformen. Die Antwort dürfte ähnlich ausfallen: Vibe Coding kann ein wirksames Werkzeug sein, ersetzt aber nicht das Verständnis der technischen Grundlagen.
Wer es nutzt
Bemerkenswert ist, dass nicht nur Anfänger intensiv damit arbeiten. Auch viele erfahrene Entwickler nutzen den Ansatz, aber mit einem anderen Ziel. Anfänger wollen „Code, der läuft“; Profis wollen langweilige Teile schneller hinter sich bringen.
Die METR-Studie liefert dazu eine Warnung: Erfahrene Entwickler können mit KI-Werkzeugen sogar langsamer werden, in der zitierten Untersuchung um 19%. Vibe Coding ist also keine Wunderlösung. Sinnvoll wird es erst, wenn man weiß, wann man es einsetzen sollte und wann besser nicht.
Quellen: Diskussionen in Entwicklercommunities, CocoLoop, METR-Studie.