DeepSeek V4 nur als Preview, wartet auf Massenproduktion von Huaweis 950PR

DeepSeek V4 wurde nur als Preview veröffentlicht.

Viele haben dies übersehen. Am 24. April präsentierte DeepSeek V4 Flash und V4 Pro, doch beide sind Vorschauversionen. Die finale Version kommt erst in der zweiten Jahreshälfte – und nicht, weil das Modell noch nicht bereit wäre, sondern weil Huaweis Chips noch nicht in Massenproduktion sind.

Am 26. April enthüllte Bloomberg unter Berufung auf den CCTV-Kanal "Yuyuantantian" die Hintergründe und machte deutlich, was DeepSeek in den letzten Monaten getan hat.

Nicht das Modell ist langsam, die Chips fehlen

Das DeepSeek-Team hat in den letzten Monaten kaum neue Funktionen veröffentlicht, sondern das gesamte Trainings-Framework von NVIDIA auf Huawei Ascend migriert.

Das ist weitaus schwieriger als die Veröffentlichung eines neuen Modells. Das CUDA-Ökosystem ist seit über einem Jahrzehnt tief in der KI-Szene verwurzelt. Um das Training eines Billionen-Parameter-Modells von CUDA auf Huaweis CANN (Compute Architecture for Neural Networks) zu migrieren, mussten umgeschrieben werden:

  • Operator-Bibliotheken (matmul, attention, layernorm und hunderte weitere Kernel)
  • Verteiltes Scheduling (NCCL durch HCCL ersetzt)
  • Mixed-Precision-Training (Verhalten von FP8, BF16 auf neuen Chips)
  • Checkpointing und Fehlertoleranz

Diese Migrationsarbeit ist nicht in einem halben Jahr zu bewältigen. DeepSeek hat sie abgeschlossen, aber die Hardware lässt noch auf sich warten.

Was ist der Ascend 950PR und warum muss man auf ihn warten?

DeepSeek räumte selbst ein: V4 hat in der ersten Jahreshälfte 2026 "Durchsatzprobleme" – das Modell läuft zwar, aber nicht schnell und stabil genug.

Worauf gewartet wird, ist die Massenproduktion von Huaweis Ascend 950PR Supernodes in großem Maßstab. Die 950PR und 950DT sind Huaweis nächste KI-Chip-Generation, die bis Ende des Jahres ausgeliefert werden soll. Sie basieren auf der SuperNode-Architektur, die mehrere Chips mit Hochgeschwindigkeitsverbindungen zu einem Supernode zusammenfasst und Leistung auf dem Niveau von NVIDIA NVLink bietet.

Erst wenn die 950PR in großem Maßstab verfügbar sind, kann die finale Version von DeepSeek V4 die vollständige Inferenz ausführen. Die aktuellen Preview-Versionen V4 Flash und V4 Pro sind im Wesentlichen Produktvorstellungen für die 950PR – zuerst wird die Geschichte der Modellfähigkeiten erzählt, und wenn die Hardware in der zweiten Jahreshälfte bereit ist, wird die finale Version sofort auf den Markt gebracht.

Huawei seinerseits gab ein entsprechendes Versprechen ab: Die gesamte Ascend SuperNode-Produktlinie sei "vollständig kompatibel" mit DeepSeek V4, die Inferenzleistung sei "deutlich verbessert". Der CANN-Software-Stack wurde in den letzten Monaten speziell für V4 optimiert. Die Abstimmung zwischen beiden Seiten ist sehr eng.

Die "Zwei-Gleis-Erzählung" der chinesischen KI, erstmals offengelegt

Das Interessanteste daran sind nicht die technischen Details, sondern die Erzählung.

In den letzten sechs Monaten gab es in der chinesischen KI-Szene eine stillschweigende Zweigleisigkeit:

  • Nach außen: Open-Source-Modelle konkurrieren um Preise, Benchmarks und betonen "Unabhängigkeit"
  • Nach innen: Tatsächliche Hardware- und Trainingsressourcen laufen weiterhin auf NVIDIA

DeepSeek hat mit diesem Schritt die beiden Gleise zusammengeführt. Es hat den Veröffentlichungszeitplan von V4 vollständig an Huaweis Chip-Produktionskapazität gekoppelt. Das hat noch kein chinesisches KI-Unternehmen zuvor gewagt – die Risiken liegen auf der Hand:

  • Wenn Huaweis 950PR-Massenproduktion sich verzögert, verschiebt sich auch die finale Version von DeepSeek V4
  • Wenn die Ascend-Leistung hinter den Erwartungen zurückbleibt, muss DeepSeek den Reputationsschaden eines "Modells, das nicht läuft" tragen
  • Wenn Kunden die finale V4-Version nutzen wollen, müssen sie eine "Chip-Bindung" akzeptieren

Aber der Nutzen ist ebenso klar: Chinesische KI hat von nun an einen vollständigen, von NVIDIA unabhängigen Trainings-Inferenz-Bereitstellungs-Kreislauf.

Zwei Seiten eines Spiegels

Diese Geschichte und die 40-Milliarden-Dollar-Vereinbarung von Anthropic mit Google sind wie zwei Seiten eines Spiegels.

Um die Rechenhoheit ringen die Akteure weltweit mit unterschiedlichen Mitteln – US-Unternehmen setzen auf den Bau von Cloud-Rechenzentren und langfristige Verträge, chinesische Unternehmen auf die Bindung an heimische Chips und die Anpassung des Veröffentlichungsrhythmus an die Produktionskurve. Letztlich geht es immer darum, "wie viele Tokens ich in der zweiten Jahreshälfte laufen lassen kann" in die Bilanz zu schreiben.

Dass der CCTV-Kanal diesmal die Hintergründe aktiv offenlegte, ist zeitlich geschickt gewählt. Die zweite Jahreshälfte ist noch nicht da, aber die Markterwartungen sind bereits vorab festgelegt – läuft die Huawei-Chip-Produktion reibungslos, wird DeepSeek V4 zum Vorzeigeprodukt; läuft sie nicht, wird die gesamte chinesische KI-Erzählung an Wert verlieren.

Die Wette ist eröffnet. Die zweite Jahreshälfte wird das Ergebnis zeigen.

Quellenangabe: DeepSeek V4 Launch Postponed as Company Prioritizes Domestic Chip Integration (Bloomberg); CocoLoop, Huawei, DeepSeek strengthen China's AI self-reliance with collaboration on V4 model (South China Morning Post); DeepSeek delays V4 launch to tune for Huawei Ascend chips (Newsbytes)