Anthropic stellt 5 Prozent der Anteile für Gemeinwohlfonds bereit

Anthropic hat am 18. Oktober angekündigt, 5 Prozent der Unternehmensanteile in den neu gegründeten Anthropic Public Benefit Fund (Anthropic-Fonds für das Gemeinwohl) einzubringen. Die Zusage muss noch von den Aktionären gebilligt werden.

Auch ein Aufstockungsmechanismus steht in der Ankündigung: Für jede Steigerung der Unternehmensbewertung um 50 Prozent über einer festgelegten Basislinie kann der Vorstand nach eigenem Ermessen weitere 2 Prozent der Anteile in den Fonds geben. Wie hoch die Basislinie ist, nennt die Ankündigung nicht. In Anthropics eigenen Worten:

"the more Anthropic grows, the larger the share of the company that can be dedicated expressly to the public good"

Je größer das Unternehmen wird, desto größer ist der Anteil, der ausdrücklich dem Gemeinwohl gewidmet werden kann.

Form und Beschränkungen des Fonds

Der Fonds ist eine hundertprozentige Tochter von Anthropic in der Rechtsform einer LLC (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) und nicht als gemeinnützige Organisation nach Abschnitt 501(c)(3) des US-Steuerrechts eingetragen. Das Unternehmen erklärt, so bleibe Spielraum für unterschiedliche Formen des Gebens.

Die Ankündigung nennt eine harte Grenze: Die vom Fonds gehaltenen Anthropic-Anteile dürfen weder für Lobbyarbeit noch für politische Spenden verwendet werden, innerhalb wie außerhalb der USA.

Wohin das Geld fließen soll, wird nur in Richtungen skizziert: Möglich seien hohe Spenden an klassische Non-Profit-Organisationen oder Direktzahlungen an bestimmte Bevölkerungsgruppen. Als Beispiel nennt die Ankündigung die Folgen von KI für den Arbeitsmarkt. Im Juni dieses Jahres hat Anthropic bereits separat 200 Millionen US-Dollar bereitgestellt, um dieses Thema zu erforschen und darauf zu reagieren; der neue Fonds könne „mutigere Ansätze“ verfolgen.

Struktur, Governance und die Bewertungsschwellen, die eine Aufstockung auslösen, will das Unternehmen in den kommenden Monaten veröffentlichen; bislang sind sie offen.

Zusammen rund ein Fünftel

Vor diesen 5 Prozent gab es bei Anthropic bereits mehrere Anteilsregelungen zugunsten des Gemeinwohls. Laut Ankündigung haben sich die Mitgründer schon bei der Gründung verpflichtet, jeweils 80 Prozent ihrer Anteile zu spenden; bei Anteilsspenden von Beschäftigten legt das Unternehmen etwas dazu, und etwa die Hälfte der Belegschaft beteiligt sich. Zusammen mit dem neuen Fonds sollen rund 20 Prozent der Anteile dem Gemeinwohl dienen, die Aufstockungen durch Bewertungsschwellen noch nicht eingerechnet.

Überschlagsrechnung zu den 5 Prozent

Die Finanzierungsrunde im Mai dieses Jahres bewertete Anthropic nach der Kapitalzufuhr mit 965 Milliarden US-Dollar. Nach dieser Zahl entsprechen 5 Prozent etwa 48 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Buchwert: Die Anteile sind nicht börsennotiert und lassen sich vorerst nicht zu Geld machen.

Als Vergleich bietet sich OpenAI an. Im Juli wurde berichtet, OpenAI wolle 5 Prozent seiner Anteile an einen US-Staatsfonds übertragen; bei der Bewertung von 852 Milliarden US-Dollar aus dem März wären das rund 42,6 Milliarden US-Dollar, mit Erträgen, die direkt an US-Bürger ausgeschüttet werden sollen. Beide Unternehmen setzen denselben Anteil ein, aber mit anderem Ziel: OpenAIs Anteil geht an einen staatlich geführten Fonds, Anthropics Anteil bleibt in der eigenen hundertprozentigen Gesellschaft, und der eigene Vorstand entscheidet über Aufstockungen.

Buchwert und tatsächlich ausgebbares Geld sind zweierlei. Anteile eines privaten Unternehmens lassen sich erst bei einem Börsengang, einem Rückkauf oder einer Übertragung bestehender Anteile in Geld verwandeln. Bis dahin muss der Fonds entweder auf zusätzliche Barmittel von Anthropic zurückgreifen oder Anteile als Sicherheit für eine Finanzierung einsetzen; zu beidem äußert sich die Ankündigung nicht.

Unsere Einschätzung: Im ersten Jahr nach Veröffentlichung der Governance-Details werden die tatsächlichen Ausgaben des Fonds bei einigen hundert Millionen US-Dollar liegen, vor allem für Projekte rund um den Arbeitsmarkt, und eine einzelne Spende in zweistelliger Milliardenhöhe ist nicht zu erwarten. Sobald Anthropic an die Börse gegangen ist und der Fonds Anteile verkaufen darf, muss diese Einschätzung neu bewertet werden.

Quellen: offizielle Ankündigung von Anthropic (geprüft: 5-Prozent-Zusage, Bedingung für die 2-Prozent-Aufstockung, LLC-Form, Beschränkung für Lobbyarbeit und politische Spenden, Gesamtanteil von rund 20 Prozent), US News & World Report, CocoLoop; die 965 Milliarden US-Dollar beziehen sich auf die Bewertung nach der Finanzierungsrunde von Anthropic im Mai.