EU will Google zwingen, Android für ChatGPT und Claude auf Gemini-Niveau zu öffnen

Gemini ersetzt gerade den Standard-Assistenten auf 2 Milliarden Android-Geräten.

Genau in diesem Moment greifen die EU-Regulierungsbehörden ein.

Am 23. April leitete die Europäische Kommission offiziell ein Verfahren nach dem Digital Markets Act ein. Das Ziel ist direkt: Google soll ChatGPT, Claude und anderen Wettbewerbern auf Android denselben Systemzugriff einräumen wie Gemini.

Kommt Google dem nicht nach, droht eine Geldstrafe von bis zu 10 % des weltweiten Jahresumsatzes von Alphabet. Gemessen an Alphabets Größe entspricht das über 30 Milliarden US-Dollar.

Was genau die EU öffnen will

Es geht nicht um die Ebene "Nutzer dürfen Claude aus dem App Store herunterladen".

Die EU listet konkrete Systemfunktionen auf:

FunktionAktueller Status
Sprachaktivierung (Auslösewort "Hey Google")Nur für Gemini exklusiv
Aufwecken per EinschalttasteNur für Gemini exklusiv
Systemweites BildschirmlesenNur für Gemini verfügbar
Native Integration mit Gmail, KalenderNur für Gemini exklusiv
Dauerhaftes LauschenNur für Gemini exklusiv
Als systemweiter Standard-Assistent festlegenEingeschränkt

Der Kern dieser Funktionen: Die KI-Assistenten-Erfahrung auf Android ist von Grund auf für Gemini designt. Selbst wenn Konkurrenten heruntergeladen werden, können sie nicht das tun, was Gemini kann.

Die Logik der EU-Kommission: Herunterladen können heißt nicht fairer Wettbewerb. Wie soll ein KI-Assistent, der nicht per Sprache geweckt werden und den Bildschirm nicht lesen kann, mit dem tief ins System integrierten Gemini konkurrieren?

"Wir wollen sicherstellen, dass das Spielfeld offen und fair ist und nicht zu Gunsten einiger weniger großer Unternehmen geneigt ist."
— Europäische Kommission

Was Google sagt

Googles Reaktion ist klassisch defensiv: "Android ist offen gestaltet, Nutzer können jede KI-App aus dem Play Store herunterladen."

Das stimmt zwar, geht aber am Kernproblem vorbei.

Nutzer können ChatGPT "herunterladen", aber kann ChatGPT mit "Hey Google" geweckt werden? Kann es den Bildschirminhalt lesen? Kann es Gemini standardmäßig als System-Assistent ersetzen? Nein.

"Herunterladen können" und "gleicher Wettbewerb" sind zwei verschiedene Dinge. Die EU will Letzteres.

Zeitplan und Strafmechanismus

Der Ablauf:

ZeitpunktEreignis
27. Januar 2026EU-Kommission leitet zwei Regulierungsverfahren ein
16. April 2026Regeln zur gemeinsamen Nutzung von Suchdaten veröffentlicht
1. Mai 2026Ende der öffentlichen Konsultation
27. Juli 2026Letztverbindliche Entscheidung muss ergehen

Der 27. Juli ist eine harte Frist. Kein "voraussichtlich", sondern eine gesetzlich vorgeschriebene Frist.

Strafmechanismus:

  • Erstverstoß: 10 % des weltweiten Jahresumsatzes (Alphabet über 30 Mrd. USD)
  • Wiederholungsverstoß: 20 %
  • Bei schwerwiegenden Fällen: mögliche erzwungene Geschäftsaufsplitterung

Das ist keine weiche Empfehlung, sondern eine rechtsverbindliche Verwaltungsanordnung.

Die EU hat bereits Vollzugserfahrung – 2024 stellte die EU fest, dass Google mit der Selbstbevorzugung in den Suchergebnissen gegen den DMA verstößt. Dies ist das zweite Aufeinandertreffen, der Druck ist noch größer.

Warum das wichtig ist

Google kontrolliert rund 65 % des europäischen Marktes für mobile Betriebssysteme.

Das bedeutet: In Europa ist das Handy in Ihrer Hand höchstwahrscheinlich ein Android, und das KI-Assistenten-Ökosystem auf Android wird derzeit von Gemini dominiert.

Sollten die EU-Vorschriften umgesetzt werden:

  • Siri bleibt unberührt (Apple-Ökosystem unabhängig)
  • OpenAI und Anthropic profitieren, ihre Assistenten erhalten eine echte Chance, in die Systemebene vorzudringen
  • Google muss die technischen Umbauten bis Ende Juli abschließen

Für OpenAI und Anthropic ist das ein Ticket in die Systemebene von 2 Milliarden Android-Geräten, von außen durch die Regulierungsbehörde gegeben.

Google kann Einspruch einlegen, aber der Einspruch setzt die Vollstreckung nicht aus. Und Google hat im Fall der Selbstbevorzugung bei der Suche bereits verloren, der Druck ist jetzt noch größer.

Die größere Bedeutung

Ehrlich gesagt, ist das technisch ziemlich knifflig.

Die Systemintegration verschiedener KI-Assistenten betrifft Rechteverwaltung, Sicherheits-Sandboxen, Gerätehersteller-Vereinbarungen … Google kann nicht einfach nicht öffnen, aber die Kosten und die Komplexität der Öffnung sind nicht gering.

Aber die EU hat offenbar klar entschieden: "Schwierig umzusetzen" ist kein Grund für Nichteinhaltung.

Um es klar zu sagen: Die EU spielt diesmal ein interessantes Spiel:

Es geht nicht darum, Google zur Kasse zu bitten, sondern darum, dass Googles Konkurrenten auf Googles eigenem Betriebssystem direkt gegen Google antreten können.

Ende Juli wissen wir mehr.

Quellenangabe: CocoLoop, EU prepares to force Google to open Android to ChatGPT and Claude under Digital Markets Act (The Next Web, 23. April 2026); Google Faces EU Pressure to Open Up Android to Gemini Rivals (Bloomberg, 23. April 2026); The EU tells Google to give external AI assistants the same access to Android as Gemini has (Engadget, 23. April 2026)