RayNeo iO bringt KI-Brille auf 34 Gramm

RayNeo hat am 21. August die KI-Brillenserie iO vorgestellt. Das gesamte Gerät wiegt 34 Gramm, die Akkulaufzeit wird offiziell mit zwei Tagen angegeben, der reguläre Verkaufspreis liegt bei 2499 Yuan, der Einführungspreis startet bei 1996 Yuan. Bereits am Tag der Vorstellung war die Brille bei JD.com, Tmall, Douyin sowie in stationären Optikergeschäften erhältlich.

In der Ausstattungsliste dieser Brille fällt vor allem etwas Fehlendes auf: Sie hat keine Kamera. Während KI-Brillen mit Display in den vergangenen zwei Jahren fast durchgängig auf "Sehen können" gesetzt haben, verzichtet RayNeo diesmal vollständig auf diesen Weg.

Woher das gesparte Gewicht kommt

Das Gehäuse besteht aus der Aluminium-Magnesium-Legierung AZ91D, die Bügel aus Beta-Titan, am hinteren Ende sorgt ein Gegengewicht für die Balance zwischen vorn und hinten – diese Kombination ist in der Brillenbranche nicht neu, aber um auf 34 Gramm zu kommen, musste auch das Anzeigemodul mitspielen.

RayNeo hat seine selbst entwickelte Lichtwellenleiter-Lösung (intern "Blue Lake" genannt) in einen gewöhnlichen Brillenrahmen mit Kronenform integriert, mit einer dreischichtigen optischen Struktur. Laut Hersteller entspricht das Bild einem 33-Zoll-Display, die Helligkeit am Auge liegt bei 1800 Nit, die Transmission im Anzeigebereich bei 93 Prozent, außerhalb des Anzeigebereichs bei über 98 Prozent. Die Transmission entscheidet direkt darüber, ob das Glas wie eine gewöhnliche Brille aussieht – 93 Prozent liegen bereits nahe am Eindruck normaler Brillengläser, was überhaupt erst die Voraussetzung dafür ist, dass RayNeo einen konventionellen Rahmen wagen konnte.

Der Verzicht auf die Kamera spart nicht nur Gewicht. Auch Modul, Kabel, Statusleuchte und die Datenschutzhinweis-Logik entfallen, wodurch die Leistungsaufnahme sinkt – erst dadurch wird die zweitägige Akkulaufzeit möglich. Umgekehrt gilt: Alles, was auf visuellen Input angewiesen ist – Straßenschilder erkennen, Speisekarten scannen, direkt nach dem Fotografieren nachfragen – kann diese Brille nicht leisten.

Was "proaktive KI" konkret bedeutet

Im Zentrum der Vermarktung steht eine rund um die Uhr proaktive KI, die sich in zwei Funktionen aufteilt.

Erstens ein ganztägiges intelligentes Gedächtnis, das täglich automatisch Zusammenfassungen erstellt und wichtige Gespräche, To-dos und den persönlichen Status ordnet. Zweitens ein Echtzeit-Hinweismodus: Ohne dass der Nutzer einen Befehl aussprechen muss, erkennt das Gerät relevante Fragen im laufenden Gespräch und blendet die Antwort auf dem Brillenglas ein. Hinzu kommen ein KI-Teleprompter, Übersetzung und Meeting-Protokolle – Funktionen, die bei vergleichbaren Produkten bereits erprobt sind.

Wie sich die proaktive Zustellung von Informationen in der Praxis anfühlt, hängt von der Fehlauslösungsrate ab. Wird zu locker erkannt, blinkt ständig Text vor den Augen; wird zu streng erkannt, landet man wieder bei einer Interaktion per Weckwort. Auf der Präsentation wurden dazu keine konkreten Zahlen genannt – ob das Konzept aufgeht, lässt sich erst mit dem Einzelhandelsmodell beurteilen.

Modelle laufen komplett extern

Die erste iO-Charge bindet DeepSeek V4 Pro und Qwen 3.7 Max ein, künftig sollen Kimi K3 sowie RayNeos eigenes RayNeo-KI-Modell folgen. Da kein Hauptmodell lokal auf dem Gerät läuft, ist die Interaktion zwangsläufig auf eine Netzwerkverbindung angewiesen – die Kehrseite derselben Entscheidung, die das Gewichtsziel von 34 Gramm ermöglicht.

Im Preisvergleich entsprechen 2499 Yuan grob umgerechnet etwa 350 US-Dollar. Zuvor kostete die Halliday-Brille 599 US-Dollar, Snaps AR-Brille 2195 US-Dollar, und die ebenfalls auf geringes Gewicht setzende Moonix bringt es auf 14,9 Gramm, allerdings ohne vollständige KI-Interaktion. Die Strategie der chinesischen Hersteller in dieser Runde ist recht einheitlich: Gewicht und Preis zunächst unter die Schwelle für den alltäglichen Gebrauch drücken und dafür funktional den Verzicht auf Kamera und lokales Modell in Kauf nehmen.

RayNeo positioniert die iO als "KI-Brille zur menschlichen Erweiterung". Unabhängig von dieser Bezeichnung bietet sie faktisch ein tragbares Informationsdisplay auf Augenhöhe plus einen Assistenten, der sich von selbst einschaltet. Ob sich diese Kombination im Alltag durchsetzt, ist schwerer zu beantworten als jedes Datenblatt.

Quellen: RayNeo-Präsentation, QbitAI, CocoLoop, CNMO; Gewicht, Verkaufspreis, Lichtwellenleiter-Spezifikationen und die Modellliste der ersten Charge wurden mehrfach abgeglichen, die Währungsumrechnung ist eine grobe Schätzung.