Agnes Video startet Gratisstufe, Vollversion kostet 1,5 US-Dollar pro Minute

Am 26. August ist die Serie Agnes Video 2.5 auf der Kreativplattform Pavo gestartet. Die Flash-Variante ist vollständig kostenlos, das Generieren verbraucht keine Punkte.

Die Grenzen der Gratisstufe sind bewusst eng gezogen: 720p-Auflösung, Clips von 4 bis 12 Sekunden, maximal 3 Anfragen pro Minute. Die reguläre Version 2.5 läuft über ein Punktesystem: Die Plattform schenkt täglich 200 Punkte, jede generierte Sekunde kostet 2 Punkte, ein einzelner Clip darf höchstens 100 Sekunden lang sein, und die Auflösung lässt sich auf 2K hochschrauben. Umgerechnet ergibt das Gratiskontingent pro Tag grob 100 Sekunden Material (200 geteilt durch 2, überschlägig), etwa der Umfang eines Kurzclips. Der Richtpreis über die API liegt bei 1,5 US-Dollar pro Minute.

Was 165 zusätzliche Punkte an Siegen bringen

Nach Angaben von Agnes selbst ist der Elo-Wert im Blindtest-Ranking von Artificial Analysis von 917 auf 1082 gestiegen, ein Plus von 165 Punkten.

Die Elo-Skala wird gern nach dem Motto "höher ist besser" abgetan, dabei dient sie eigentlich der Berechnung von Gewinnwahrscheinlichkeiten. Nach der gängigen Formel entspricht eine Differenz von 165 Punkten überschlägig einer Gewinnquote von rund 72 Prozent — im Blindtest heißt das: Werden zum gleichen Thema erzeugte Clips der alten und neuen Version nebeneinandergestellt, wird die neue Version im Schnitt bei etwa 7 von 10 Vergleichen bevorzugt. Das ist keine kleine Spanne und entspricht eher einem Modellgenerationswechsel als einem kleinen Patch.

Ranking-Ergebnisse und tatsächliche Praxistauglichkeit sind aber zweierlei. Elo misst die subjektive Vorliebe für einzelne Clips, sagt aber nichts darüber aus, wie schnell die Prompt-Treue bei längeren Einstellungen nachlässt oder ob Figuren über mehrere aufeinanderfolgende Generierungen hinweg konsistent bleiben — genau daran scheitern Nutzer, die Kurzserien produzieren wollen, in der Praxis am häufigsten.

Die Plattform übernimmt auch das Storyboard

Der eigentliche Clou von Pavo liegt nicht im Modell selbst, sondern darin, dass der gesamte Prozess in Schritte zerlegt wird. Nutzer geben nur eine grobe Ausgangsidee in einem Satz vor, die Plattform generiert automatisch Anforderungen, Gliederung, Charaktere, Schauplätze und Requisiten samt Entwurfsbildern, dann Storyboard und Keyframes, und erst zum Schluss die Videos je Einstellung. Jeder Schritt muss vom Nutzer bestätigt werden, bevor es weitergeht.

Der praktische Nutzen dieses Aufbaus liegt im Kostensparen. Wird ein kompletter Clip in einem Rutsch erzeugt, muss bei jedem Fehler in der Mitte der gesamte Prozess neu durchlaufen werden — und die Kosten dafür entfallen komplett auf den teuersten Schritt, die Videogenerierung. Wird der Prozess dagegen in einzeln abnehmbare Etappen zerlegt, lässt sich bei einem Problem gezielt zu diesem Schritt zurückspringen, während bereits bestätigte Ergebnisse erhalten bleiben. Für das Tageskontingent von 100 Sekunden in der Gratisstufe entscheidet genau dieser Unterschied darüber, ob überhaupt etwas Brauchbares entsteht.

Wie lange hält die Gratisstufe durch

Videogenerierung ist unter allen KI-Generierungsformen die mit den höchsten Stückkosten — die Anzahl der Frames, die für eine Sekunde Bildmaterial erzeugt werden müssen, liegt in einer völlig anderen Größenordnung als bei einem Textabschnitt. Unter diesen Bedingungen ist "komplett kostenlos" praktisch immer ein Zeitfenster zur Neukundengewinnung.

Zusammengenommen deckeln die drei Limits die Kostenobergrenze sehr eng: 720p begrenzt die Rechenlast pro Frame, 4 bis 12 Sekunden begrenzen die Länge je Generierung, 3 Anfragen pro Minute begrenzen die Nebenläufigkeit. Multipliziert man die drei Faktoren, liegt der theoretische Maximalertrag pro Nutzer und Stunde bei etwa 180 Kurzclips — und das ausschließlich in niedriger Auflösung. Die Plattform weiß genau, was sie subventioniert, und kennt auch die Obergrenze dieser Subvention.

Der Fähigkeitsunterschied zwischen Flash und der Vollversion markiert die Bezahlschwelle klar und deutlich: 720p gegen 2K, 12 Sekunden gegen 100 Sekunden. Wer wirklich sendefähiges Material braucht, kommt früher oder später nicht daran vorbei, diese Schwelle zu überschreiten. Solche Preismodelle folgen meist drei Schritten — erst kostenlos für Nutzeraktivität sorgen, dann das Gratiskontingent verknappen, zuletzt die nützlichen Funktionen in die Bezahlstufe verschieben. Aktuell befindet sich das Angebot noch im ersten Schritt.

Eine Information lässt sich derzeit nicht klären: Die 3 Anfragen pro Minute sind ein API-seitiges Ratenlimit, die tatsächliche Wartezeit in der Warteschlange hängt von den freien Kapazitäten im Backend der Plattform ab. Offizielle Zahlen dazu gibt es nicht, Nutzer müssen es selbst ausprobieren.

Quellen: Ankündigung der Pavo-Plattform, QbitAI, CocoLoop, KuCoin News; Gratiskontingent, Punkteverbrauch und API-Preise wurden anhand mehrerer Quellen abgeglichen, die Gewinnquote ist eine überschlägige Redaktionsschätzung.