Am 14. April hat Google Personal Intelligence für Gemini für zahlende Nutzer weltweit eingeführt. Die Funktion verknüpft den KI-Assistenten mit nahezu allen persönlichen Daten in Ihrem Google-Konto – Gmail, Kalender, Fotos, YouTube und Maps, alles inbegriffen.
Europa ist nicht dabei.
Welche Daten werden gelesen
Der Datenzugriff von Personal Intelligence ist umfangreich:
- Gmail, Kalender, Drive und andere Workspace-Apps
- Google Fotos (alle Fotos und Videos)
- YouTube (Sammlungen, Verlauf)
- Google Maps (Standortverlauf, gespeicherte Orte)
- Google-Suchverlauf
- Andere Google-eigene Apps
Nach der Datenverknüpfung muss Gemini nicht mehr jedes Mal den Kontext erklärt bekommen. Es weiß, welches Hotel Sie letzte Woche gebucht haben, welches Video Sie sich ansehen und welche Einkaufsgewohnheiten Sie haben.
Google nennt einige Anwendungsszenarien:
- Kleidungsempfehlungen basierend auf Kaufhistorie und Stilvorlieben
- Hilfe bei der Fehlerbehebung von Geräten anhand von Kaufbelegen
- Reiseplanung unter Berücksichtigung von Ernährungseinschränkungen und gebuchten Flügen
- Entdeckung neuer Interessen basierend auf dem Leseverlauf
Datenschutz: Googles Erklärung, Bedenken der Nutzer
Noch vor dem Start der Funktion antizipierte Google die Kontroversen und gab eine Erklärung ab: Gemini wird Ihre Gmail-Daten nicht zum Trainieren von KI-Modellen verwenden. Es werden Daten abgerufen, um Fragen zu beantworten, nicht Ihre Inhalte in den Trainingsdatensatz aufgenommen.
Technisch gesehen ist dieser Unterschied real – Runtime Retrieval Augmented Generation und vortrainierte Datensätze sind zwei verschiedene Dinge. Aus Nutzersicht hängt dies jedoch vom Vertrauen in Googles Versprechen ab, das von keiner dritten Partei unabhängig überprüft werden kann.
Kontrollmechanismen:
- Opt-in-Funktion, nach der Ersteinrichtung standardmäßig aktiviert
- Schalter im Werkzeugmenü, der für jede Unterhaltung vorübergehend deaktiviert werden kann
- Sie können selbst wählen, welche Apps geöffnet und welche blockiert werden
Wer kann es nutzen, wer ist ausgeschlossen
Ab 14. April sofort verfügbar:
- Zahlende Abonnenten von Google AI Plus, Pro und Ultra weltweit
In den nächsten Wochen schrittweise:
- Kostenlose Gemini-Nutzer (weltweit)
Ausdrücklich ausgeschlossen:
- Europäischer Wirtschaftsraum (EWR)
- Schweiz
- Großbritannien
Der Grund für das Fehlen Europas ist die GDPR. Die Integration mehrerer Erstanbieter-Datenquellen in ein KI-System erfordert im europäischen Regulierungsrahmen eine vollständige Compliance-Begründung, die derzeit nicht erbracht werden kann.
Preise: Google AI Pro 19,99 US-Dollar/Monat, Ultra 249,99 US-Dollar/Monat. Ultra-Nutzer können auch den Browser-Agenten Project Mariner (gleichzeitige Verarbeitung von 10 Aufgaben) und die interaktive Welterstellungsfunktion Project Genie nutzen.
Unterschiedliche Ansätze zu Apple
Apple Intelligence geht einen anderen Weg: Kernberechnungen auf dem Gerät, persönliche Daten verlassen das Gerät möglichst nicht.
Google wählt: Cloud-Daten in die KI integrieren und gleichzeitig versprechen, Ihre Daten nicht zum Trainieren von Modellen zu verwenden.
Beide Ansätze haben ihre Berechtigung. Googles Weg ist funktional stärker, da die Datenquellen umfassender sind; Apples Weg ist datenschutzreiner, da die Daten das Gerät nicht verlassen. Welchen Sie wählen, entscheiden Sie selbst.
Eines ist jedoch sicher: Der KI-Assistent wandelt sich vom Frage-Antwort-Modell hin zu einem, das Sie bereits kennt – dieser Trend ist unumkehrbar. Die weltweite Öffnung von Personal Intelligence ist nur ein Meilenstein auf diesem Weg.
Quellenangabe: CocoLoop, Gemini app starts rolling out Personal Intelligence globally (9to5Google); What Gemini features you get with Google AI Plus, Pro & Ultra (9to5Google); Google is expanding Personal Intelligence to Gemini users globally and it's a huge shift (Digital Trends)