Anthropic hat die beiden gefragtesten Angebote im Startup-Programm von Claude ausgesetzt: ein Jahr Claude Team kostenlos und 1.000 US-Dollar API-Guthaben. Als Grund nennt das offizielle Claude-Konto, man habe die Nachfrage unterschätzt. Es gebe Hunderttausende Bewerbungen, deshalb prüfe das Team die Anträge neu, damit das Programm möglichst vielen Unternehmen zugutekommt.
Die beiden Angebote waren erst am 6. Oktober in das Programm aufgenommen worden – nach nicht einmal drei Tagen wurden sie wieder gestoppt.
Was pausiert, was bleibt
Nach der offiziellen Mitteilung und den FAQ auf der Programmseite sind drei Fälle zu unterscheiden:
- Bereits eingelöst: Die Nutzung läuft normal weiter, Team-Plätze und Guthaben im Konto werden nicht zurückgenommen.
- Genehmigt, aber nicht eingelöst: Diese Konten werden neu geprüft, ein Teil davon bekommt das Angebot nicht.
- Übrige Vorteile: Alle aufgenommenen Mitglieder können weiterhin den Startup Stack nutzen sowie an Fragerunden und Veranstaltungen des Applied-AI-Teams teilnehmen. Wer einen Max- oder Team-Tarif hat, erhält das monatliche API-Guthaben in der Console wie gewohnt.
Auf der Programmseite heißt es inzwischen, die beiden Angebote seien „over capacity“, also ausgeschöpft. Das Wort „pausiert“ fällt dort nicht, einen Termin für die Rückkehr gibt es ebenfalls nicht. Außerdem wird erwähnt, dass das Programm neu aufgestellt werde und sich der Status mancher Anträge ändern könne.
Die Version von vor drei Tagen
Die Erweiterung vom 6. Oktober hatte Anthropic während der San Francisco Tech Week bekannt gegeben. Die Bedingungen waren damals recht großzügig: Antragsberechtigt waren Unternehmen, die höchstens fünf Jahre alt sind oder in den vergangenen zwei Jahren Kapital erhalten haben; auch Teams ohne externe Finanzierung oder in der Pre-Seed-Phase waren nicht ausgeschlossen. Ziel war, Anträge innerhalb einer Woche zu bearbeiten. Der Team-Tarif umfasste bis zu fünf Premium-Plätze, dazu 1.000 US-Dollar API-Guthaben, Entwicklerzugang für Plugins im Claude Marketplace und Online-Sprechstunden mit dem Applied-AI-Team. Parallel richtete Anthropic in San Francisco das dreitägige Event Founder House aus.
TechCrunch zitierte Anthropic damals sinngemäß damit, dass der Nutzen von KI die Menschen vor allem über Unternehmen erreichen werde, die Produkte auf Basis der Modelle bauen. Die enge Zusammenarbeit mit Gründerinnen, Gründern und Entwicklern sei daher zentral für die Mission des Unternehmens.
Zwei weitere Bausteine des Programms sind von dem Stopp nicht betroffen. Der erste ist der Startup Stack, ein Rabattpaket von Drittanbietern, darunter ElevenLabs, ClickHouse, Granola und Hex, mit einem auf der Seite angegebenen Gesamtwert von bis zu 45.000 US-Dollar. Der zweite ist der Weg über Venture-Capital-Partner: Unternehmen, in die ein VC-Fonds aus Anthropics Partnernetzwerk investiert hat, können über ihren Investor zusätzlich bis zu 100.000 US-Dollar API-Guthaben beantragen.
Eine Überschlagsrechnung
1.000 US-Dollar Guthaben sind für sich genommen nicht viel, mit der Zahl der Bewerber multipliziert sieht das anders aus.
Nach den am 7. Oktober veröffentlichten Preisen für Claude Haiku 5.5 kostet bei Prompts bis 100.000 Token eine Million Eingabe-Token 0,10 US-Dollar und eine Million Ausgabe-Token 0,50 US-Dollar. Grob gerechnet reichen 1.000 US-Dollar für 10 Milliarden Eingabe-Token oder 2 Milliarden Ausgabe-Token – für ein frisch gegründetes Team eine ziemlich lange Prototypenphase.
Setzt man als Untergrenze für „Hunderttausende“ 100.000 Bewerber an und würde allen das Guthaben gewährt, läge allein der Nennwert des API-Guthabens bei 100 Millionen US-Dollar, die Team-Plätze für ein Jahr nicht eingerechnet. Das ist nur der Nennwert; die meisten Teams schöpfen ihr Guthaben nicht aus, die tatsächlichen Kosten wären deutlich niedriger. Dennoch überrascht es nicht, dass ein Programm, das ursprünglich für einige Tausend Unternehmen ausgelegt war und nun hunderttausend bedienen müsste, gestoppt wird. Offiziell ist weder bekannt, mit wie vielen Anträgen man ursprünglich gerechnet hat, noch, wie viele nach der Neuprüfung erhalten bleiben sollen.
Zwei weitere Einschränkungen stehen deutlich auf der Seite: Das Guthaben gilt nur für Claudes First-Party-API, Aufrufe über AWS Bedrock oder Google Vertex AI zählen nicht; Mitglieder mit Guthaben erhalten automatisch höhere Ratenlimits.
Was offen bleibt
Welche der bereits genehmigten Konten ausgeschlossen werden und nach welchem Maßstab – Gründungsjahr, Finanzierungshistorie oder Nutzungsabsicht –, hat Anthropic nicht erklärt. Einen Termin für die Wiederaufnahme gibt es ebenfalls nicht. In den Programmbedingungen steht ohnehin, dass Anthropic das Programm jederzeit ändern, aussetzen oder beenden darf; vertraglich betrachtet hat der Stopp die Grenzen also nicht überschritten.
Für kleine Teams, die ihr Tool-Budget bereits auf „ein Jahr Team gratis“ ausgelegt haben, bleibt vorerst nur, den eigenen Status in der Console zu prüfen: Steht dort „eingelöst“, kann man beruhigt weiterarbeiten; steht dort „genehmigt, nicht eingelöst“, muss man das Ergebnis der Neuprüfung abwarten.
Quellen: Ankündigung des offiziellen Claude-Kontos, TechCrunch, CocoLoop, FAQ auf der Seite des Claude-Startup-Programms; die Preisseite von Anthropic wurde für die beiden API-Preisstufen von Haiku 5.5 herangezogen, die Programmbedingungen für das Recht zu Änderung und Aussetzung.