Nvidia, Palantir und Booz Allen Hamilton haben jeweils eigenständig den Umfang der internen Nutzung von Anthropic-Modellen eingeschränkt. The Information berichtete als Erstes über diese Schritte, wobei die drei Unternehmen unterschiedlich vorgehen: Palantir verlangt von Anthropic zunächst eine Zusage zur Null-Datenspeicherung, bevor das Modell in die eigene Softwareplattform eingebunden wird; Nvidia beschränkt Anthropic-Modelle auf interne Aufgaben mit geringerer Sensibilität, während Arbeiten mit proprietären Informationen an die hauseigene Nemotron-Reihe gehen; Booz Allen Hamilton untersagt Mitarbeitern die Nutzung kommerzieller Anthropic-Modelle in Cybersicherheitsprojekten, die mit proprietären Daten in Berührung kommen.
Die Bedenken aller drei Unternehmen laufen auf dasselbe hinaus: ob der Modellanbieter Kundendaten speichert oder sogar aus dem geistigen Eigentum seiner Kunden lernt.
Wie das 30-Tage-Fenster entstand
Der Streit begann im Juni. Anthropic passte im Zuge von Fable 5 seine Datenrichtlinie an und führte eine 30-tägige Aufbewahrungsfrist für Nutzungsprotokolle ein. Zur Begründung hieß es damals, manche Angriffe würden sich über mehrere Sitzungen erstrecken und seien anhand einer einzelnen Anfrage nicht erkennbar; erst Protokolle über einen gewissen Zeitraum ließen sich zu einem vollständigen Bild zusammensetzen. Gleichzeitig versicherte das Unternehmen, diese Daten flössen nicht ins Training ein.
Für Privatnutzer war diese Erklärung nachvollziehbar, bei Unternehmenskunden stieß sie auf Widerstand. Am stärksten protestierten Kunden aus regulierten Branchen – Finanzwesen, Gesundheitswesen, Regierungsaufträge –, deren Verträge häufig fest vorschreiben, dass Daten die eigenen Grenzen nicht verlassen dürfen. Für sie sind „30 Tage speichern, aber nicht trainieren“ und „gar nicht speichern“ zwei unterschiedliche Compliance-Linien, zwischen denen es keinen Mittelweg gibt.
Nach öffentlichen Angaben trainieren beide führenden Labore standardmäßig nicht mit Kundendaten, sammeln aber, sofern Unternehmen nicht aktiv widersprechen, anonymisierte Metadaten. In dieser Runde geht es um die Speicherung selbst.
Anthropics Lösungsvorschlag
Anthropics Antwort ist ein Mechanismus namens Enterprise Frontier Safeguards: Unternehmenskunden können ihre Aktivitätsdaten in der eigenen Cloud-Infrastruktur ablegen – Amazon S3, Azure Blob Storage oder Google Cloud Storage sind möglich – und dabei eigene Verschlüsselungsschlüssel verwenden. Die Sicherheitsüberwachung läuft automatisiert, ohne dass Anthropic-Mitarbeiter die Daten manuell einsehen müssen. Das System wird derzeit schrittweise eingeführt, eine breitere Verfügbarkeit ist für den Herbst 2026 geplant.
Damit werden gleich zwei Fragen – wo die Protokolle liegen und wer sie entschlüsseln kann – an die Kunden zurückgegeben. Offen bleibt laut Bericht, wie die automatisierte Überwachung im kundeneigenen Speicher konkret funktioniert und welcher Prozess nach einem Alarm greift.
Die Zeitlinie im Überblick
Chronologisch ergibt sich folgendes Bild: Im Juni wird die Speicherrichtlinie geändert, Unternehmenskunden reagieren ablehnend, drei Großkunden setzen jeweils eigene Beschränkungen, Anthropic bringt eine Self-Hosting-Lösung für Protokolle, die im Herbst breiter ausgerollt werden soll.
Dass große Unternehmen den Einsatz externer Modelle einschränken, ist an sich nichts Neues. Meta hatte zuvor bereits die Nutzung von Claude Code und Codex durch eigene Ingenieure eingeschränkt, und Google vergibt intern schon länger nur Claude-Kontingente pro Kopf. Neu an dieser Runde ist, dass die öffentlich genannten Gründe sich auf die Datenklauseln konzentrieren – nicht auf Kosten oder Konkurrenz zu eigenen Tools.
Auch die jeweilige Position der drei Unternehmen bestimmt, wie sie die Zügel anziehen. Nvidia verfügt bereits über die Nemotron-Reihe, sodass bei proprietären Daten der Wechsel zu eigenen Modellen naheliegt; Palantir muss seine Modelle an Regierungs- und Großunternehmenskunden weiterverkaufen, weshalb Null-Datenspeicherung angesichts der gestellten Bedingungen eher wie eine Vorbedingung für Vertragsabschlüsse wirkt; Booz Allen Hamilton ist ein Beratungsunternehmen, das konkrete Projekte seiner Mitarbeiter verwaltet – ein pauschales Verbot ist da der einfachste Weg.
Was noch offen ist
Wie groß der betroffene Geschäftsanteil ist und wie viele Mitarbeiter betroffen sind, haben alle drei Unternehmen nicht offengelegt. Ob die Einschränkungen zurückgenommen werden, sobald Enterprise Frontier Safeguards im Herbst breiter verfügbar ist, lässt sich derzeit nicht überprüfen; Anthropic hat sich zum Vorgehen der drei Unternehmen bislang nicht öffentlich geäußert. Auch OpenAI sieht sich ähnlichen Fragen zu Trainingsdaten ausgesetzt, ob es dort eine vergleichbare Self-Hosting-Lösung gibt, lässt sich öffentlich nicht nachvollziehen.
Die Nvidia-Aktie schloss an diesem Tag rund 3 Prozent im Minus, allerdings gab der gesamte KI-Sektor an diesem Tag nach – wie viel Gewicht diese Meldung dabei hatte, lässt sich schwer sagen.
Quellen: The Information, Quartz, CocoLoop, Yahoo Finance; die genauen Einschränkungen der drei Unternehmen, die 30-tägige Speicherrichtlinie und die Speicheroptionen von Enterprise Frontier Safeguards basieren auf den Originalberichten.