Das KI-Armband Bee, das Amazon im Juli letzten Jahres übernommen hat, wurde von TechCrunch-Reporter Lucas Ropek eine Woche lang getragen. Sein Fazit: gut für die Arbeit, aber nach Feierabend etwas gruselig.
Die Kernfunktion des Geräts ist simpel – es zeichnet rund um die Uhr alle Gespräche in Ihrer Umgebung auf, transkribiert sie und erstellt Zusammenfassungen.
Wie es sich anfühlt, es einen Tag zu tragen
Nach dem Anlegen von Bee zeigt ein grünes Licht am Handgelenk die Aufnahme an. Es zeichnet Gespräche auf, transkribiert sie automatisch und sendet Zusammenfassungen an die App.
Der Reporter beschrieb ein konkretes Szenario: Nachdem er mit einem Freund einen Film gesehen hatte, taggte Bee die Unterhaltung automatisch als „Tarantino Film Scene Analysis“. Die Kontexterkennung war ordentlich.
Das Problem: Die Transkription war lückenhaft:
„Es war keine vollständige Aufzeichnung von allem, was gesagt wurde.“
Außerdem konnte das Gerät nicht unterscheiden, wer sprach. Man muss häufigen Stimmen manuell Labels zuweisen, sonst erscheinen in der Zusammenfassung nur „Speaker 1“ und „Speaker 2“.
Erforderliche Berechtigungen
Bei der Installation der App verlangt Bee mehrere Berechtigungen:
- Standort – um zu ermitteln, wo Sie sind und wen Sie treffen
- Fotos – zum Synchronisieren von Hintergrundinformationen
- Kontakte – zur Identifizierung von Personen, die in Gesprächen erwähnt werden
- Kalender – zum automatischen Senden von Besprechungserinnerungen
- Benachrichtigungen – zur Integration von Daten anderer Apps
Gesundheitsdaten sind optional, alle anderen sind Pflicht. Alle Transkriptionen und Zusammenfassungen werden in der Cloud gespeichert – Bee gibt an, Verschlüsselung und Sicherheitsaudits durch Dritte zu verwenden, aber Amazon selbst hat eine Geschichte von Datenlecks (der Ring-Kamera-Vorfall war ein großer).
Der Reporter schrieb unverblümt: Ein Abhörgerät 24 Stunden am Tag am Handgelenk zu tragen, ist kein angenehmer Gedanke.
Was es tatsächlich kann
Die Bewertung des Reporters variiert je nach Szenario.
Berufliche Nutzung: zuverlässig
- Aufeinanderfolgende Besprechungen, bei denen man sich nicht an alles erinnern kann
- Kundentelefonate, bei denen Entscheidungspunkte später festgehalten werden müssen
- Mündliche Abstimmungen in Teams über Zeitzonen hinweg, die dokumentiert werden müssen
In diesen Fällen fungiert Bee wie ein Besprechungsprotokollgerät, das nicht unterbricht. Dienste wie Otter können Ähnliches, aber man muss eine Software öffnen, um aufzunehmen; Bee kann überall aufzeichnen.
Private Nutzung: unangenehm
- Mit Freunden beim Abendessen tratschen und am nächsten Tag die Zusammenfassung in der App sehen – peinlich
- Familie bespricht private Themen, und die Transkripte liegen in einem AWS-S3-Bucket – noch peinlicher
- Man nimmt es ab, während der Partner es nicht tut, oder vergisst, es auszuschalten – am peinlichsten
Fazit des Reporters: Am Schreibtisch nutzbar, aber nach Feierabend abnehmen.
Warum Amazon dieses Unternehmen gekauft hat
Bee wurde im Juli 2025 von Amazon übernommen, der Betrag wurde nicht bekannt gegeben. Das Update fügte mehrere neue Funktionen hinzu.
In Amazons Gesamtstrategie ergibt dies Sinn. Alexa wurde in den letzten 18 Monaten zurückgefahren (der Sprachassistent Rufus wurde nach 18 Monaten eingestellt), und Amazon definiert seine KI-Schnittstelle neu. Ein ständig aktives Wearable wie Bee ist das Gegenteil von Alexas „Aufwecken per Sprachbefehl“-Modell: Der Benutzer muss nicht „Alexa“ sagen; das Gerät hört ständig zu.
Wenn dieses Interaktionsmodell im beruflichen Umfeld funktioniert, ist der nächste Schritt zwangsläufig die Ausweitung auf den privaten Bereich – das ist wahrscheinlich Amazons Plan. Datenschutzbedenken werden sicherlich aufkommen, aber Amazon hat ähnliche Probleme mit Echo erlebt und weiß, wie man damit umgeht.
Ob Verbraucher bereit sind, für „24-Stunden-Mithören“ zu zahlen und wie viel – der TechCrunch-Test erwähnte keinen Preis, was darauf hindeutet, dass er noch angepasst wird. Der nächste Punkt ist, wie Amazon Bee in das Alexa-Ökosystem integriert. Das ist die wahre Absicht hinter dieser Übernahme.
Quellen: CocoLoop; I tried Amazon's Bee wearable and am both intrigued and slightly creeped out (TechCrunch)