Am 1. September begann Google, Google Pics an Abonnenten von Google AI Pro und Ultra sowie an die meisten kommerziellen Workspace-Kunden auszurollen. Es handelt sich um ein eigenständiges Werkzeug zur Bilderzeugung und -bearbeitung, erreichbar über pics.new, das zugleich bereits in Docs und Slides eingebettet ist; die Anbindung an Drive folgt in den kommenden Wochen. Im Hintergrund läuft Googles eigenes Bildmodell Nano Banana.
Auf der Workspace-Seite deckt es die vier Stufen Business Standard, Business Plus, Enterprise Standard und Enterprise Plus ab, auf der Privatkundenseite Google AI Pro, Ultra sowie das für Bildung gedachte Google AI Pro for Education. Für keine dieser Stufen fällt ein Aufpreis an, die Funktion ist im bestehenden Abo enthalten.
Der Abstand entsteht durch objektbasierte Bearbeitung
In der Funktionsliste von Pics ist es die Objektsegmentierung, die es von gewöhnlichen Text-zu-Bild-Werkzeugen abhebt: Nutzer können ein einzelnes Objekt im Bild markieren und isoliert bearbeiten, während Hintergrund und übrige Elemente unverändert bleiben. Derselbe Prompt kann mehrere Versionen zur Auswahl liefern; Text im Bild lässt sich direkt bearbeiten und übersetzen; Dateien können mit Kollegen gemeinsam bearbeitet werden.
Die Übersetzung von Text im Bild wiegt in international arbeitenden Büros schwer. Soll ein Werbeplakat in fünf Sprachen erscheinen, musste man bisher entweder fünfmal neu layouten oder die Quelldatei zurück ans Design-Team geben. Jetzt ist dieser Schritt direkt in den Dokumenteneditor verlagert – die Änderung bleibt sofort in der Folie erhalten.
Produktmanagerin Meg Whittenberger schrieb in der Ankündigung:
You shouldn't have to jump between applications to create and share visuals.
Man sollte nicht zwischen mehreren Anwendungen hin- und herspringen müssen, um Bilder zu erstellen und zu teilen.
Vertrieb zählt mehr als das Modell
Mehrere Medien positionieren Pics als direkten Angriff auf Canva. Diese Einschätzung ist nicht falsch, unterschätzt aber die Bedeutung dieses Starts, wenn man ihn nur als ein weiteres Bildwerkzeug abtut.
Nano Banana selbst war schon vorher nutzbar, was Google diesmal verändert, ist die Position: Nutzer müssen keine neue Website öffnen, die Aktion „Bild einfügen“ lässt sich direkt beim Schreiben einer Slides-Präsentation erledigen. Bilderzeugung zieht sich von einem eigenständigen Produkt zurück zu einer Schaltfläche im Dokument – und wer häufiger geöffnet wird, hat den Vorteil.
Der Preis dafür ist, dass sich solche Funktionen kaum separat monetarisieren lassen. Dass Google Pics in bestehende Abo-Stufen einbindet, ist quasi ein Eingeständnis, dass es keine neue Einnahmequelle sein soll, sondern eher eine Schutzmauer, die Workspace-Nutzer davon abhält, für Bildbearbeitung woanders hinzugehen. Für Firmen, die ohnehin schon für Workspace zahlen, ist das eine geschenkte Fähigkeit; für Anbieter, die von Abogebühren für ein einzelnes Bildwerkzeug leben, steht plötzlich ein kostenloser Konkurrent im Regal.
Die eigentliche Prüfung kommt erst in ein paar Wochen. Die Anbindung an Drive bedeutet, dass Pics sich mit dem bestehenden Bildbestand von Unternehmen auseinandersetzen muss, nicht nur mit neu angelegten leeren Leinwänden – vorhandenes Material richtig zu bearbeiten, ist deutlich schwerer, als aus dem Nichts ein ansehnliches Bild zu erzeugen.
Quellen: offizieller Google-Workspace-Blog, CocoLoop, Unite.AI, Android Headlines; die verfügbaren Stufen und der Zeitplan der Integration in Docs, Slides und Drive richten sich nach Googles offizieller Ankündigungsseite.